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Unter der organisatorischen Leitung von ORBICOM und der Universität
Montréal (UQÀM) fand am 15. und 16. April in Montréal
eine internationale Konferenz zum Thema "Connecting
Knowledge in Communications - Bridging the Gap between Training
and Employment" statt, zu der Teilnehmer aus ca. 60 Staaten
angereist waren, zahlreich auch aus asiatischen, afrikanischen und
südamerikanischen Ländern.
Im Anschluß an die Konferenz fand eine Generalversammlung
von ORBICOM statt. ORBICOM war bis dahin eine von UNESCO, Paris,
und UQÀM eingerichtete Assoziation als ein Netzwerk von UNESCO
Chairs in Communications (derzeit 22 Chairs) und assoziierten Mitgliedern
(ca. 200). Die Assoziation wurde auf der Versammlung in eine Corporation
nach Québéc'schem Recht umgewandelt, um die Schlagkraft
zu erhöhen und Rechts- und Finanzierungsprobleme der Assoziation
zu lösen. Ziel von ORBICOM ist, ganz allgemein, die Förderung
von Kommunikation in der Welt, um - im Sinne der UNESCO - die Bereiche
Ausbildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation/Medien zu befördern
und einen Beitrag zum Frieden in der Welt und zu einem geglückten
Leben aller einzelnen Menschen zu leisten. Es wurde beschlossen,
das Netzwerk der UNESCO Chairs zunächst eher zu konsolidieren
als auszubauen. Konkrete Projekte sind der Aufbau und Betrieb von
elektronischen Kommunikationsforen und einer internationalen Expertendatenbank
auf dem Gebiet der Kommunikation (bei denen Deutschland vom Konstanzer
UNESCO Chair aus eine führende Rolle spielen soll) sowie die
Durchführung von einer Reihe regionaler Workshops, die dem
Thema des "Lernen des Lernens" gewidmet sein sollen. Inhaltliche
Initiativen werden von den nationalen Chairs und ihrer Kooperation
mit anderen Partnern erwartet. Auf der Konferenz war gute Gelegenheit,
die Kontakte zwischen den Chairs zu intensivieren. Angesichts der
engen Finanzierungsmöglichkeiten durch die ORBICOM-Zentrale
und der begrenzten Fördermöglichkeiten der UNESCO sollen
jeweils nationale Mittel rekrutiert werden, die allerdings gänzlich
bei dem jeweiligen nationalen Chair eingesetzt werden sollen. UNESCO
wurde verschiedentlich aufgefordert, die finanziellen Mittel für
Information, Kommunikation und Informatik drastisch zu erhöhen
(bislang machen sie offenbar nur ca. 5% des Gesamtbudgets aus).
Die Konferenz beschäftigte sich damit, welche Modelle, vor
allem der Kooperation, entwickelt werden können, um in allen
Teilen der Welt effiziente Ausbildungsstrukturen aufbauen zu können,
die gleichermaßen den Bedürfnissen der Wirtschaft und
den Autonomieanforderungen der Universitäten bzw. der Wissenschaft
entgegenkommen können. Qualifizierte Ausbildung ist die Basis
für die Bildung von Wissenskapital und unabdingbare Voraussetzung,
in gegenwärtigen Gesellschaften bestehen und um demokratische
und aufgeklärte Gesellschaftsstrukturen entwickeln zu können.
Veränderte Qualifikationsprofile wurden diskutiert. Vernünftige
Kompromisse zwischen formaler, technischer und sozialer, kommunikativer
Kompetenz müssen gefunden werden. Auf die Bedeutung der Entwicklung
von informationsethischen Maximen in der globalen und multikulturellen
Gesellschaft wurde immer wieder hingewiesen. Die neue Rolle des
Staates in der Informations-/Wissensgesellschaft als Koordinator
und Stimulator der Entwicklung wurde an konkreten (erfolgreichen)
Beispielen, z.B. Malaysia, Korea, besprochen, ebenso die veränderte
Rolle der bisherigen Medienprofessionellen (Journalisten, Verleger)
zur Bildung öffentlicher Meinung in einer Welt der elektronischen
Publikumsmärkte, in der heute jeder einzelnen, stärker
als je zuvor, öffentlichkeitsbildend tätig werden kann.
Vor allem bezüglich des letzteren Problems war die Ansichten
durchaus kontrovers. Sahen die einen schon das Ende des klassischen
Medienprofessionalismus, so sahen andere die Bedeutung der Journalisten
zur Selektion, Verifikation und Bewertung eher steigen. Vor allem
von Seiten von Teilnehmern aus afrikanischen Staaten wurde der sich
fortsetzende Knowledge gap beklagt und die Pflicht der entwickelten
Staaten, dies zu beseitigen, angemahnt. Allerdings wurde ebenso
von Mittelstaaten die Pflicht der Staaten der Dritten Welt angemahnt,
aus sich heraus neue Modelle für Ausbildung und aktivem (nutzendem
und bereitstellendem) Zugriff auf die Dienste im Umfeld des Internet
zu entwickeln.
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