Achtung! Sie befinden sich im Archivbereich. Klicken Sie hier, um zur NETHICS Homepage zu gelangen.


Zur Homepage
  Sitemap Informationen und Materialien zu brisantenThemen Aktuelle Meldungen und Termine informationsethisch relevante Themen Organisation von NETHICS e.V.
  Suche
Forum zu  brisanten Themen Informationen für die Presse Links zu verschiedenen UNESCO Webseiten Ressourcen - Hintergrundinformationen und Links
   
  presse : nethics über nethics
  Nethics über Nethics  
Pressemitteilungen
Pressespiegel
 
 
Im Auftrag der Deutschen UNESCO Kommission
 
 
 
Zum Seitenanfang
Zum Seitenanfang
Zum Seitenanfang
Zum Seitenanfang
Zum Seitenanfang
  Wie ist es zu der Gründung von NETHICS e.V. gekommen? Was war der Anlaß?
  Aktivitäten der UNESCO auf dem Gebiet der Informationsethik, zwei UNESCO-Konferenzen 1997 und 1998 in Monte Carlo, haben gezeigt, daß es einen Bedarf gibt, diese Themen dauerhaft zu behandeln. Deshalb wurde die Institutionalisierung über einen Verein vorangetragen, der sich vielleicht später in eine Stiftung umwandeln wird.
  Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der UNESCO bzw. mit der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK)?
  Das Präsidium der DUK, bekräftigt auch durch die Vertreter der verschiedenen Bundesministerien, die mit der DUK zusammenarbeiten (Innen, Forschung, Außen), hat die Gründung von NETHICS ausdrücklich begrüßt. Die DUK hat weder Kapazität noch Kompetenz, um alle Problembereiche selber abzudecken. Deshalb kooperiert die DUK bzw. die UNESCO allgemein mit Organisationen/Vereinen, wie NETHICS, und beauftragt diese, ihre Interessen wahrzunehmen. Im Falle von NETHICS bietet sich diese Kooperation an, weil der Vorsitzende von NETHICS persönliches Mitglieder der DUK und Inhaber des UNESCO Chair of Communications in Deutschland ist.
  Was ist überhaupt Informationsethik? Warum nicht allgemein Computer- oder Internetethik?
 

Angesichts der fortschreitenden Durchdringung aller Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnologien und insbesondere durch das Vordringen des Internet und seiner Dienste in alle gesellschaftlichen Bereiche werden sich neue Formen des Umgangs mit Information und Wissen entwickeln, die grundlegende Konsequenzen für die Werte- und Rechtssysteme fortgeschrittener Informations- und Wissenswelten haben werden. Informationsethik will dazu beitragen, daß in der Informationsgesellschaft sich solche Formen des Austausches von Wissen entwickeln, die ein gutes und gerechtes Leben für jedermann in jeder Kultur unserer Welt ermöglichen.

Natürlich sind heute Wissens- und Informationswelten unabhängig vom Internet und erst recht unabhängig von der Computer- und Telekommunikationstechnik nicht mehr zu verwirklichen. Insofern könnten die erwähnten Bezeichnungen als synonym angesehen werden. Bei Informationsethik stehen jedoch alle Fragen, die mit der Produktion, der Aufbereitung, Verteilung und Nutzung von Wissen bzw. Information zusammenhängen, direkt und zentral im Vordergrund.

  Warum heißt es dann nicht Wissensethik, sondern Informationsethik?
  Wir wollen nicht akademisch terminologisch werden, aber für uns in der Informationswissenschaft ist Wissen der produzierte Bestand an gesicherten Aussagen über Objekte und Vorgänge in der Welt, während Information, sich immer auf Wissen beziehend, der Teil von Wissen ist, der in aktuellen Situation benötigt wird (aber nicht im Wissensschatz des Handelnden vorhanden ist). Information ist damit sozusagen Wissen in Aktion. Entsprechend könnte man die Aufgabe der Informationsethik auch darin sehen, die Bedingungen dafür mit schaffen zu helfen, daß Information als die Grundlage jeden privaten, öffentlichen oder kommerziellen Handelns, für jedermann ein verfügbares Gut ist. Damit Information dauerhafter Besitz wird, muß sie bewußt und dauerhaft angeeignet werden, also zu Wissen werden.
  Was sind die zur Zeit intensiv diskutierten Themen der Informationsethik?
 

Themen der Informationsethik werden in der Öffentlichkeit überwiegend defensiv diskutiert, so als ob es Aufgabe der Ethik wäre, dem möglichen Mißbrauch der Möglichkeiten elektronischer Informationsleistungen gegenzusteuern, wie z.B. erreicht werden kann, daß wir uns und vor allem unsere Kinder vor unerwünschtem Materialien im Internet (gemeint sind in der Regel Web-Seiten zu Kinderpornographie, Drogen, Sexismus, Rassismus, Gewaltdarstellungen, Rechtsradikalismus, Haß in Kommunikationsforen, etc.) schützen können. Oder wie wir sicher sein können, daß unsere persönlichen Daten, von denen wir überreichlich in der Interaktion mit den elektronischen Diensten laufend und unvermeidbar abgeben, nicht gegen unseren Willen oder ohne unser Wissen verwendet werden? Oder wie die Rechte von Autoren und Verlagen gegenüber dem „Mißbrauch“ des freizügigen Austauschs von Information geschützt werden können.

NETHICS will sich auch aktiv daran beteiligen, daß der Mißbrauch der Dienste des Internet verhindert werden kann. NETHICS vertritt aber nicht die Interessen der Wirtschaft, des Staates oder von speziellen Gruppierungen wie Verlagen, sondern will eher konstruktive Beiträge für jedermann leisten, daß ethische Ziele erreicht werden können, sofern sie mit Information und Wissen zusammenhängen.

Nicht alle damit zusammenhängenden Wertvorstellungen und Verhaltensformen müssen grundsätzlich neu formuliert werden. Die vor 50 Jahren von den Vereinten Nationen formulierten allgemeinen Menschenrechte sind – bei aller unterschiedlichen Interpretation und allen unterschiedlichen Graden ihrer Einhaltung – die größte (ethische) gemeinsame Basis auch in der globalen Informationsgesellschaft. Nur kann man heute dabei nicht stehenbleiben. Um das gute und gerechte Leben in der Informationsgesellschaft realisieren zu können, sind die Bedingungen der Möglichkeit, wie die Menschenrechte heute verwirklicht werden können, konkreter zu spezifizieren.

Dazu gehört z.B.:

Das Recht des Zugriffs aller auf die Ressourcen der Information. Damit meinen wir nicht nur den „lesenden“, also nutzenden Zugriff, sondern auch die Fähigkeit und die Gelegenheit, sich aktiv „schreibend“ in die weltweiten Informationsräume einzubringen. Informationelle Imperative könnten hier z.B. lauten: Billige anderen den Zugriff auf die Information zu, die du auch selber haben willst. Laß andere ihre Meinung und ihr Wissen in das offene Internet schreiben, so wie du es auch selber tun möchtest. Beharre nicht auf informationellen Privilegien und akzeptiere in keinem Fall den Ausschluß von Information.

Die Sicherung der Privatsphäre aller hat hohen Wert. NETHICS ist allerdings nicht der Ansicht, daß „Privacy“, wie es im Amerikanischen treffender als Datenschutz heißt, das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, bedeutet. In offenen Informationsgesellschaften soll das Prinzip der reziproken Transparenz oder der informationellen Symmetrie leitend sein. Gibst Du Information, dann bekommst Du Information. Mute anderen nur die Information zu, die Du auch selber entgegenzunehmen bereit bist. Lege Dein Verhalten, Information über andere Information zu sammeln, offen und öffne dich für andere, wenn Du das von ihnen verlangst.

Solche informationellen Imperative müssen diskutiert und präzisiert werden, vor allem auch, wie die Postulate Wirklichkeit werden können. Informationsethik ist entsprechend keine bloß kontemplative neue philosophische Disziplin, sondern verfolgt einen konstruktiven, d.h. auf die Welt real einwirkenden Ansatz.

  Hat der Gegenstand der Informationsethik Konsequenzen für die universitäre Ausbildung?
 

Jetzt schon im zweiten Semester wird in der Konstanzer Infomationswissenschaft ein virtueller, also vollständig elektronisch organisierter Kurs zur Informationsethik angeboten und durchgeführt. War das im ersten Semester noch alleine auf Konstanz beschränkt mit einer relativ offenen Diskussion über Informationsethik an sich, so hat sich in diesem Semester eine Verbund von verschiedenen Teilnehmern aus Hochschulen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein gebildelt, in dem vor allem Fragen des Vertrauens in Vorgänge auf elektronischen Märkten und Probleme einer multikulturellen Gesellschaft diskutiert werden.

  Welches sind die konkreten Vorhaben von NETHICS? Sind das eher Forschungs- oder Entwicklungsvorhaben?
 

Die Konstanzer Arbeiten zur Informationsethik haben mit dem Aufbau und dem Betrieb von weltweit organisierten elektronischen Kommunikationsforen (für die UNESCO) begonnen. Diese Foren weiten sich gegenwärtigen zu allgemeinen Wissensplattformen, bezogen auf das Gebiet der Informationsethik, aus. Daher sind Entwicklungsprojekte vorgesehen zum Aufbau von Ressourcendatenbanken, sozusagen virtuellen Bibliotheken, in die informationsethisch relevante Dokumente eingespeist werden (bzw. auf sie über Verknüpfungen verwiesen wird), so daß sie für die Diskussionen rationalitätsfördernd zur Verfügung stehen. Weiterhin wird an einem „Web of trust“, einem Vertrauensnetzwerk aus qualifizierten und sich referentiell verbürgenden Experten gearbeitet, die bei Bedarf in aktuelle Diskussionen, z.B. in die bald zu erwartende Diskussion über den Großen Lauschangriff in Deutschland, eingreifen können.

NETHICS will weiterhin Unternehmen in allen Fragen der Organisation von Wissen und Information unter informationsethischer Perspektive beraten. Ebenso sollen Verfahren entwickelt werden, durch die fundierte Aussagen über die Qualität, die Akzeptanz und den Wert von Mehrwertdiensten im Internet gemacht werden.NETHICS übernimmt damit auch Aufgaben von Trust Centern bzw. Zertifizierungsstellen. Das zu lösende Problem dabei ist es natürlich, jeden Verdacht einen Zensur oder Moralitätsanmaßung zu vermeiden. Im Zielkonflikt zwischen dem freien Austausch von Information und den Anforderungen, Information auszufiltern und abzublocken, muß sehr vorsichtig navigiert. Die Nebenfolgen vorschneller juristischer Festlegungen sind oft prekärer als die gewonnenen Vorteile. Hier kann nur der Diskurs über die Kommunikationsforen zu einem allgemeinen Konsens führen.

Eher forschungsorientiert sind Vorhaben, durch die untersucht werden soll, wie sich öffentliche Meinung zu Zeiten elektronischer Kommunikation bilden wird. Dazu wurde gerade ein Buch publiziert, in dem die Auswirkungen der zahlreichen Kommunikationsforen anläßlich der Bundestagswahl 1998 untersucht wurden. Eher noch unter Forschungsgesichtspunkten sind Arbeiten zu elektronischen Kommunikationsassistenten, zu Fragen der Mehrsprachigkeit und zur Multikulturalität zu werten.

  Warum legt NETHICS so starken Wert auf die elektronischen Kommunikationsforen?
 

In einer globalen Gesellschaft mit heterogenen Kulturen und differenzierten Interessen kann es nicht die eine Weltethik geben. Um dennoch in dieser Vielfalt nicht resignativ einer Beliebigkeit von Normen und Verhaltensformen zuzustimmen, ist ein im Prinzip weltweiter öffentlicher Diskurs über z.B. die zentralen Fragen der Informationsethik erforderlich. Elektronische Kommunikationsforen können effizienter als reale Konferenzen oder andere Treffen weltweit verteilte Experten an einem elektronischen „Tisch“, in einem Forum, zusammenbringen:

  • an welchen Zielen soll sich die Ausgestaltung der elektronischen Informationsräume orientieren, wie sie sich vor allem über die unterschiedlicher Typen elektronischer Marktplätze ausprägen
  • welche Akteure sollen in welchem Rahmen mit welchen Kompetenzen dafür zuständig sein,
  • welchen Einfluß haben diese neuen Informationsräume mit ihren Dienstleistungen auf alle anderen Lebensbereiche bzw. welche sollen sie haben,
  • welche Verhaltensformen in diesen neuen Informationsräumen werden für akzeptabel gehalten oder ganz allgemein: wie läßt sich unter den Bedingungen der elektronischen Informationswelten, vor allem unter dem starken Einfluß der Informationswirtschaft und dem erneuerten Gestaltungsinteresse des Staats, selber steuernd einzugreifen, für den einzelnen ein gutes Leben in einer gerecht organisierten Gesellschaft erreichen.
  Was will NETHICS unternehmen, um sich national und international bekannt zu machen und um Wirkung zu erzielen?
  NETHICS will in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO Kommission einen aktiv beratenden Beirat aus Experten und ein förderndes Kuratorium mit angesehenen Personen der Öffentlichkeit einrichten. Es sollen regelmäßig Konferenzen und Workshops veranstaltet werden. NETHICS hat ein eigenes Kommunikationsforum eingerichtet und nicht zuletzt wurde eine schon umfängliche und informative Website aufgebaut, die laufend ausgebaut und gepflegt wird. Da soll man sich laufend über NETHICS und Informationsethik informieren.
  Stand: 18.01.1999
Kontakt:
Info@nethics.net
 
letzte Änderung am 20.12.1999