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Standpunkt der DGI
zu den
Eckwerten des Arbeitskreises
"Zukunft der Fachinformation:
"Fachinformation
und Fachkommunikation in der Informations und Wissensgesellschaft
- Eckwerte für eine neue Fachinformationspolitik in der Bundesrepublik
vom September 1999
Handlungsbedarf
des Staates
Als vordringlich sieht die DGI das Vorlegen
eines nationalen strategischen Rahmenkonzeptes an, aus dem die Aktions-
und Wirkungsfelder der (Fach)Informationskultur ersichtlich sind
und in dem sich jeder staatliche Aufgabenbereich verorten kann.
Aus diesem Rahmenkonzept sollten Strategien
des Staates zur Schaffung neuer Informationsstrukturen, aber auch
Strategien zum "Hineinführen gegenwärtiger
Strukturen der (Fach)Information in die Informationsgesellschaft
mit deren neuen Technologien und Wirkprinzipien ersichtlich sein.
Wir erachten es als notwendig, daß
dabei eine deutliche, nachvollziehbare Trennung von befristet pilotmäßig
angelegten Aktions- und Wirkungsfeldern der (Fach)Information und
solchen vorgenommen wird, die als dauerhaft auch beim Herausbilden
der Informationsgesellschaft einzuschätzen sind.
Letzteres formulieren wir aus der Frage
heraus, was würde mit diesen als dauerhaft einzustufenden Aktions-
und Wirkungsfeldern werden, wenn der Staat sie aus seiner Verantwortung
entließe?
Dabei denken wir insbesondere an Datensammlungen,
die in der Regel über lange Zeiträume hinweg angelegt
wurden und denen die traditionellen Aktionsfelder Erarbeiten, Speichern
und Verteilen von Fachinformationen zugrunde liegen.
Es muß im Interesse des Staates
liegen, Datensammlungen zu erhalten, deren Inhalte unitär oder
dauerhaft von Relevanz sind. Zum Beispiel existieren insbesondere
in den Natur- und Technikwissenschaften zahlreiche Hinweise auf
Wirkprinzipien und Lösungsansätze, die zum Zeitpunkt ihrer
Publizierung entweder technisch und/oder ökonomisch nicht realisierbar
waren. Physiker oder Chemiker greifen gegenwärtig (und sicher
auch in Zukunft) aus diesem Grund bei Recherchen z.B. gern auf länger
zurückliegende Patentanmeldungen zu.
Wir halten Datensammlungen für
unverzichtbar, deren Inhalte Teil des kulturellen Erbes sind, die
"aufgehobenes Wissen dokumentieren und an denen folglich
ein bleibendes nationales Interesse besteht.
Der Präsident der vorhergehenden
Legislaturperiode der DGI, Prof. Leonhard, hatte sich als Mitglied
des Vorstandes der Deutschen UNESCO-Kommission engagiert in die
Aktivitäten des Programms "Memory of the World eingebracht.
Wir begrüßen daher, daß dieser Aspekt der Kulturaufgaben
eine Rolle in den Eckwerten des Arbeitskreises "Zukunft der
Fachinformation spielt.
Wir zählen zu den unverzichtbaren
Datensammlungen auch solche, mit deren Inhalten, begründet
auf Praxisbezogenheit, insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen
Chancen eröffnet werden, ihre Wettbewerbsfähigleit zu
stabilisieren oder auszubauen.
Die kleinen und mittleren Unternehmen
sind auf eine Erschließung der für sie relevanten Informationen
aus den gegenwärtigen Informationsangeboten und erwartungsgemäß
auch aus den entstehenden globalen Informationsmärkten angewiesen.
Auch bei Schaffung entsprechender (Fach)Informationskompetenz werden
sie in der Regel nicht durchgängig selbst dazu in der Lage
sein können oder wollen.
Organisationsstrukturen, die gegenwärtig
eine Plattform für die Vermittlung von Informationen für
die kleinen und mittleren Unternehmen sind, stufen wir damit ebenfalls
als erhaltenswert ein.
Ein Programm für Strukturhilfen
des Staates sollte derartige Grundorientierungen eines Rahmenkonzeptes
widerspiegeln.
Direktpublikation
und Direktverteilung
Das Verfügbarmachen von Wissen
direkt von Autor zu Nutzer unter Inanspruchnahme elektronischer
Medien wird weiterhin sprunghaft ansteigen.
Insbesondere kann eine derartige Entwicklung
für den Bereich der Vorpublikation gesehen werden.
Ungeachtet dessen schätzen wir
aber ein, daß die derzeitigen Hauptakteure in der Publikations-
und Distributionskette auch in der Informationsgesellschaft weiterhin
eine Rolle spielen werden. Ihre Funktionsweisen und Aufgabenfeldern
werden weitestgehend erhalten bleiben.
Wohin die Entwicklung des Einsatzes
elektronischer Medien geht, ist in weiten Spektren möglicher
Anwendungern noch nicht absehbar.
Aber auch Informationen in elektronischer
Form werden für längere Zeiträume relevant sein können
und müssen daher in einer für das spätere Verfügbarmachen
geeigneten Form aufbereitet und gespeichert werden.
Ausgehend davon, daß die Aktionsfelder
Dokumentieren - Archivierung - Zugriff inclusive Qualitätssicherung
auch perspektivisch, natürlich neuen Technologien angepaßt,
als Grundfunktionen zu gewährleisten sein werden, sehen wir
es als eine Aufgabe des Staates an, zu verhindern, daß bestehende
Infrastrukturen der Fachinformation, die sich diesen Aktionsfeldern
widmen, auf dem Weg in die Informationsgesellschaft zerschlagen
werden.
Die DGI spricht sich im Gegenteil grundsätzlich
für ein förderseitig getragenes Begleiten der bestehenden
Fachinformationszentren beim "Hineinwachsen und "Sich
verändern in neue Technologien und in neue, dem sich
verändernden Nutzerbedarf gerecht werdende Organisationsstrukturen
aus.
Dabei vertreten wir jedoch die Auffassung,
daß es neben den Aufgabenfeldern Dokumentieren - Archivierung
- Zugriff inclusive Qualitätssicherung, die sich in der Regel
nicht selbst tragen, auch Prozesse gibt, die der Privatwirtschaft
überlassen werden sollen, zum Beispiel den Vertrieb der Datensammlungen.
Schaffung von Informationskompetenz
Zur Entwicklung einer durchgängigen
(Fach)Informationskompetenz gehört neben dem als Grundkompetenz
der Ausbildung angesehenen Herausbilden von Fertigkeiten im Umgang
mit elektronischen Medien die Fähigkeit, mit für bestimmte
Wissensgebiete spezifischen Informationen (Fachinformation) umzugehen.
In der "Erfurter Resolution
wird gefordert, daß es Aufgabe der Schulen sein muß,
im Rahmen fester unterrichtlicher Felder die Fertigkeiten in der
Benutzung elektronischer Medien herauszubilden, auch den kritischen
Umgang mit ihnen. Es wird in diesem Zusammenhang vom Erreichen einer
"informatikspezifischen Kompetenz" gesprochen, und es
wird die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für eine "informatorische
Bildung" gefordert, die alle Schulstufen und alle Schularten
umfaßt.
Dieser Forderung ist zuzustimmen. Sie
ist aber unseres Erachtens zu einseitig auf das Herausbilden von
Fertigkeiten im Umgang mit elektronischen Medien ausgerichtet und
damit nicht ausreichend genug gestellt.
Aus Sicht der in der DGI organisierten
Informationsspezialisten und damit aus deren Erfahrungen heraus
unterstreichen wir die in den Eckwerten getroffene Feststellung
"Nicht der Informatikführerschein allein ist das Ziel
von Informationskompetenz, sondern die Bildung von Urteilskraft
zur Einschätzung und Selektion von überbordender Information
aus weltweit heterogenen Quellen".
Die DGI vertritt den Standpunkt, daß
das Herausbilden von Fähigkeiten im Umgang mit fachspezifischen
Informationen auf das Herausbilden von Fertigkeiten im Umgang mit
elektronischen Medien in den Schulen aufsetzen muß.
Die Vermittlung von (Fach)Informationskompetenz
ist vorrangig in Ausbildung und Studium anzusiedeln.
Entstehende Bildungskonzepte sollten
diesem Anliegen Rechnung tragen. Das Lehren des Umgangs mit fachspezifischen
Informationen, die Kenntnis von Quellen, das Bewerten von Informationsinhalten
etc. müssen zu einem integralen Bestandteil von Ausbildung
und Studium auf allen Ausbildungsebenen und in allen Wissensgebieten
und damit zum festen Bestandteil jeder fachspezifischen Ausbildung
werden.
Entsprechende Konzepte müssen dabei
eine (lebenslange) Weiterbildung der Ausbilder und Hochschullehrer
ebenso berücksichtigen wie die Fortbildung von Lehrern.
Infrastruktureinrichtung
für (Fach)Information
Die DGI sieht es als eine vordringliche
Aufgabe des Staates an, eine "richtig dimensionierte
Infrastruktureinrichtung zu schaffen.
Dabei schließen wir uns der in
den Eckwerten des Arbeitskreises "Zukunft der Fachinformation
formulierten Forderung an, daß sich eine solche Einrichtung
"jenseits von unangebrachtem Zentralismus, aber auch jenseits
einer zersplitterten Beliebigkeit bewegen sollte.
Wir benötigen in Deutschland eine
Infrastruktureinrichtung für (Fach)Information für die
Verstärkung und Transparenz der nationalen und internationalen
Forschungskoordinierung oder -förderung.
Wir benötigen sie einerseits für
die Schaffung von Wissensvorlauf, zum Erreichen einer höheren
Stetigkeit in den Forschungsbereichen und die Intensivierung der
Forschung sowie andererseits für die Akteure der (Fach)Information
als Ansprechpartner für neue Lösungsansätze, für
die Vermittlung möglicher Kooperationspartner etc., und wir
benötigen sie für die Einflußnahme auf die Aus-
und Weiterbildung.
Die zahlreichen deutschen Aktivitäten
bezüglich der Zukunft der (Fach)Information auf den unterschiedlichsten
Ebenen sowie die sich in ihren Themenstellungen immer mehr überschneidende
Veranstaltungslandschaft bekräftigen eindrucksvoll das Fehlen
einer steuernden nationalen Infrastruktur.
Übertragen werden könnte die
Aufgabenstellung einer bestehenden einschlägigen Einrichtungen,
die z.B. im universitären Bereich verankert sein könnte
und über entsprechende Praxiskontakte verfügt.
Literaturhinweise:
[1] Aktionsprogramm der Bundesregierung
"Innovation und Arbeitsplätze in der
Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts"
vom September 1999
http://www.iid.de/aktionen/aktionsprogramm/
[2] IuK Initiative Information und Kommunikation
der wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland
http://elfikom.physik.uni-oldenburg.de/iuk/
[3] "Erfurter Resolution:
10 Thesen zu "Wissen und Lernen - Was trägt die Informatik
zum Unterricht bei?
Gesprächskreis Informatik unter
Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften,
des Arbeitskreises Dokumentation und der Deutschen UNESCO-Kommission
http://www.gki.at/resolut.htm
[4] Göttinger
Thesenpapier "Informationsinfrastruktur im Wandel vom
12.03.1998 der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Bibliotheken, Rechenzentren
und Medienzen tren, herausgegeben von der Sektion 4 des Deutschen
Bibliotheksverbandes DBV, dem Zentrum für Informationsverarbeitung
in Lehre und Forschung ZKI und der Arbeitsgemeinschaft der Medienzentren
an Hochschulen AMH
http://www.tu-dresden.de/agbibrz/thesen2.htm
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