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Rainer Kuhlen
Fachinformation und Fachkommunikation
in der Informationsgesellschaft
Grundzüge einer neuen
Fachinformationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland
Zusammenfassung:
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, die Leistungsfähigkeit
von Wissenschaft und Politik/Verwaltung zu erhalten sowie zur dauerhaften
Bildung einer aufgeklärten Öffentlichkeit im demokratischen
Gemeinwesen, ist es dringend erforderlich, die seit Mitte der 90er
Jahre festzustellende Stagnation in der Fachinformationspolitik
in Deutschland zu durchbrechen. Oberstes Ziel einer verantwortlichen
Fachinformationspolitik muß es sein, die Mitglieder und Institutionen
der Gesellschaft in die Lage zu versetzen, informationell autonom
zu agieren, d.h. sich den Zugriff auf die relevanten Informationsquellen
zu zumutbaren fairen Bedingungen sichern und die Informationsprodukte
bewerten und nutzen zu können.
Eine neue Fachinformationspolitik
Warum eine neue Fachinformationspolitik?
Zeichnet sich doch die Bundesrepublik Deutschland seit 1974
das ist der Beginn der Laufzeit des ersten Förderprogramms
des sogenannten IuD-Programms - durch eine bemerkenswerte Kontinuität
bei der Förderung und Koordination des Fachinformationsgebietes
aus. Bezüglich der Inhalte und Ziele hat es weniger Kontinuität
gegeben. Wie könnte es auch anders sein? Auch die Informationspolitik
im allgemeinen und als Teil davon die Fachinformationspolitik müssen
wie jede Politik zu einem materialen Politikbereich auf den jeweiligen
Politik-/Zeitgeist reagieren, zuweilen kann sie ihn auch mitgestalten.
Nicht neu ist natürlich
die Einsicht, daß angesichts der Bedeutung der Fachinformation
und ihrer organisatorischen Ausprägungen in den Informationsmärkten
für die Gesamtwirtschaft und Gesamtgesellschaft von seiten
der staatlichen oder überstaatlichen Organe in den Markt in
irgendeiner Form eingegriffen werden muß. Jede Zeit muß
aber das Ausmaß, die Instrumente und vor allem die Zielsetzung
der Steuerung neu bestimmen. Versucht man die Möglichkeiten
der Ausprägung von Informationspolitik zu systematisieren,
so steht auch Informationspolitik in ihren verschiedenen Ausprägungen
in der Spannung zwischen folgenden grundsätzlichen Positionen:
-
Setzen auf ein starkes staatliches Engagement mit entschiedenen
formalen und inhaltlichen Vorgaben im Sinne einer Regulierungspolitik.
Ein solcher Ansatz wird höchstens noch in autokratisch
regierten Ländern wie Irak oder Iran bzw. in der Volksrepublik
China verfolgt. In Europa wäre am ehesten noch Frankreich
mit seiner starken etatistischen Tradition hierzuzurechnen.
-
Liberalistisches Setzen auf die Marktmechanismen im Sinne einer
Deregulierungspolitik. Dies ist die dominierende Informationspolitik
in den letzten zwanzig Jahren gewesen, vor allem unter dem Einfluß
der angelsächsischen Staaten und hier vor allem mit Blick
auf die Telekommunikationspolitik, die zu weitgehend liberalisierten,
deregulierten und tendenziell auch privatisierten Märkten
geführt hat.
-
Setzen auf das im Diskurs sich regulierende Zusammenspiel der
verschiedenen im Bereich der (Fachinformations)Politik beteiligten
Akteure. Dieser Diskurs kann sich als gesellschaftlicher Prozeß
selber organisieren oder wird vom Staat durch seine Selektion
bei der Bestimmung der heranzuziehenden Partner beeinflußt.
Nach Jahren der neo-liberalen
Wirtschaftspolitik, in denen der Staat weitgehend auf das freie
Spiel der Marktkräfte setzte, durch die dann ja auch die gegenwärtigen
leistungsstarken Informationsmärkte entstehen konnten, ist
auch heute keineswegs ein erneuter Keynesianismus die attraktive
Lösung. Es kann wohl kaum ein Zweifel daran bestehen, daß
in dem gegenwärtigen Verständniss von Moderne die dritte
Position in Gesellschaften wie der Bundesrepublik als die realistische,
zumindest als die anzustrebende anzusehen ist, ob man sie nun korporatistisch
[Belege], neo-korporatistisch [Belege], mit dem Ansatz des akteurzentrierten
Institutionalismus [Belege] oder heute modernistisch [Belege] begründet.
Denn die in der Bundesrepublik vorhandenen sehr ausdifferenzierten
Interessengruppen im Umfeld der Fachinformation sollten nicht und
können wohl auch nicht von der realen Ausgestaltung der Politik
ausgrenzt werden. Daß zur Ausgestaltung des Diskurses dem
Staat eine zentrale steuernde Rolle zukommen kann und vielleicht
auch sollte wie jetzt z.B. bei den Versuchen zum Bündnis
zur Arbeit- , ist gerade im Fachinformationsgebiet einleuchtend.
Besteht doch auch in der Bundesrepublik eine lange Tradition der
(staatlichen) Fürsorge für alles, was mit der Produktion,
Aufbwahrung und Verteilung von Wissen und Information zusammenhängt.
Nach wie vor dominiert in Deutschland z.B. das mit staatlichen Mitteln
finanzierte System der Wissenschaft
bzw. das staatlich organisierte Bildungssystem bis zu den Universitäten,
und auch die Kosten für den Betrieb der Bibliotheken und Archive
werden weiterhin überwiegend als unverzichtbare Investitionen
in die Wissensproduktion der Zukunft oder einfach als unverzichtbaren
Beitrag für öffentliche Bildung und demokratische Aufklärung
gesehen.
Man sollte nicht vergessen,
daß die Wurzeln des Fachinformationsgebietes aus diesem Anspruch
stammen, nämlich die Wissensproduktion zu sichern und dabei
den Zugriff zu den Speichern des schon produzierten Wissens für
alle daran interessierten Gruppen und Personen offenzuhalten. Dies
ist das oberste Ziel der Fachinformation. Diesem Ziel muß
das Sekundärziel, eine leistungsfähige und gut verdienende
und international wettbewerbsfähige Informationswirtschaft
auf globalen Märkten aufzubauen, untergeordnte sein. Es kann
nicht sein, daß die Informationswirtschaft zu einer florierende
Branche der Volkswirtschaft wird, aber der freizügige Zugriff
zur Information, z.B. im Wissenschaftsbereich, eingeschränkt
wird. Die bösen Erfahrungen mit der Privatisierung der chemischen
Basisdatenbanken Gmelin und Beilstein, die somit dem neoliberalen
Ansatz in der Fachinformationspolitik der letzten Jahre zum Opfer
gefallen sind, zeigen deutlich, daß Interesse der Wirtschaft
und der Wissenschaft durchaus divergieren können. Wenn dem
so ist, müssten eigentlich eindeutig die Präferenzen zugunsten
des gesamtgesellschaftlichen Interesses der Wissenschaft gewichtet
werden. Die Erwartung einer guten Fachinformationspolitik besteht
allerdings darin, daß sich beide Ziele freier Zugriff
und leistungsfähige Wirtschaft - nicht ausschließen mögen.
Wir können an
dieser Stelle nicht die gesamte Entwicklung der deutschen Fachinformationspolitik
noch einmal rekapitulieren (vgl. dazu Kuhlen 1987 und 1995, 207ff),
müssen aber wohl zusammenfassend feststellen, daß es
in der Bundesrepublik in den letzten zwanzig Jahren nicht gelungen
ist, eine integrierte Informationspolitik zu formulieren. Mag die
begrenzte Fachinformationspolitik auch (begrenzt) erfolgreich gewesen
sein - zumindest wenn man als Maßstab einen weitgehend eingerichteten,
funktionsfähigen und auch im internationalen Maßstab
nicht abfallenden Fachinformationsmarkt annimmt -, so ist dies doch
nur um den Preis einer fortschreitenden Marginalisierung und Ausgrenzung
wichtiger Bereiche des Informationsgeschehens insgesamt geschehen.
Die Notwendigkeit einer umfassenden Informationspolitik steht nicht
im Widerspruch zu der früheren Kritik des Bundesrechnungshofs,
die Förderprogramme für Information und Dokumentation
seien anfangs zu flächendeckend gewesen. Die Kunst der Politik
besteht gerade darin, die Gesamttendenzen der sich entwickelnden
Informationsgesellschaft und der verschiedenen Bereiche der Informationswirtschaft
zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen und sich dann doch
auf einzelne Gebiete und Schwerpunktsetzungen zu konzentrieren.
Ohne diesen Gesamtbezug wird Politik zu tagespolitischer Hantierung,
das sind Handlungen ohne Zweckausrichtung.
Auch bei der Anerkennung
der Kontinuität der Fachinformationspolitik in der Bundesrepublik
ist es jedoch unverkennbar, daß sich in den langen Jahren
der konservativ-liberalen Regierung Verkrustungen und damit ein
Reformstau auch auf dem Fachinformationsgebiet ergeben haben, die
es dringend zu überwinden gilt. Deutschland ist seit etwa 1996
international gegenüber Ländern wie USA, Kanada, Australien,
aber auch Finnland, um nur diese zu nennen, zurückgefallen.
Das ist nach Einschätzung der Experten eines vom Bundestagsabgeordneten
Jörg Tauss 1999 eingerichteten Arbeitskreises Fachinfomation
u.a. zurückzuführen
-
auf die unzureichende
Aufnahme der aus der Wissenschaft (nicht nur der Informationswissenschaft)
vorgelegten Konzepte und damit auf einer zu niedrigen Innovationsrate
bei Produkten und Organisationsformen der Informationswirtschaft
-
auf das Festhalten
an einem reduzierten Fachinformationsbegriff, wodurch - aus
welchen Gründen der negativen Koordination auch immer -
u.a. der ganze Bereich der öffentlichen Information aus
Politik und Verwaltung ausgegrenzt wurde und damit der Wirtschaft
Innovationsbereiche entzogen wurden,
-
auf die ungenügende
Repräsentation Deutschlands in entscheidenden internationalen
Gremien wie dem Word-Wide-Web-Konsortium (W3C)
-
auf mangelnde
internationale, vor allem europäische Koordination der
Fachinformationsvorhaben
-
auf die wenig
erfolgreiche Umsetzung von von an sich vielversprechenden Förderinitiativen
wie Info2000 oder Global Info,
-
auf die ungenügende
Einbindung der verschiedenen Organisationen der Informationswirtschaft,
-
auf das Fehlen
einer umfassenden Konzeption für Aus- und Weiterbildung
(zum Schaffen von Informationskompetenz)
-
und vor allem
auf mangelnde Transparenz und Koordination von Seiten der Politik
bzw. der Ministerialverwaltung, wodurch keine angemessenes offenes
Politikmodell möglich wurde
Um die Wettbewerbsfähigkeit
der Wirtschaft, die Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und
Politik/Verwaltung zu erhalten sowie zur dauerhaften Bildung einer
aufgeklärten Öffentlichkeit im demokratischen Gemeinwesen,
ist es dringend erforderlich, die zu konstatierende Stagnation in
der Fachinformationspolitik in Deutschland zu durchbrechen. Oberstes
Ziel einer verantwortlichen Fachinformationspolitik muß es,
wie erwähnt, sein, die Mitglieder und Institutionen der Gesellschaft
in die Lage zu versetzen, informationell autonom zu agieren, d.h.
sich den Zugriff auf die relevanten Informationsquellen zu zumutbaren
fairen Bedingungen sichern und die Informationsprodukte bewerten
und nutzen zu können.
Eckwerte einer neuen Fachinformationspolitik
Handlungsbedarf des Staates.
Es besteht gerade
in der Gegenwart der Globalisierung der Infomationsmräkte ein
dringenden Handlungs- und Gestaltungsbedarf auch des jetzigen Nationalstaates,
in Europa sicherlich nur möglich in enger Kooperation mit der
EU-Kommission.. Die in der Bundesrepublik bis in die jüngste
Vergangenheit hinein fast schon dogmatisch gewordene Position des
Setzens auf Privatisierung wichtiger Bereiche der Fachinformation
muß neu bedacht werden, ohne damit grundsätzlich die
Berechtigung und Leistungsfähigkeit eines freien Informationsmarktes
in Zweifel zu ziehen. Die Märkte der Information sind nicht
nur kommerzielle Marktplätze, sondern auch Foren des öffentlichen
Austauschs von Wissen. Dem Auf- und Ausbau von Informations- und
Kommunikationsinfrastrukturen kommt die gleiche Bedeutung zu, wie
sie die traditionellen Infrastrukturen (z.B. für Verkehr oder
Energieversorgung) seit langem haben. Oberstes Ziel einer verantwortlichen
Informations- und Kommunikationspolitik (IuK-Politik) und damit
auch der Fachinformationspolitik muß es sein, den Mitgliedern
und Institutionen der Gesellschaft zu ermöglichen, informationell
autonom zu agieren, d.h. ihnen den Zugriff auf die relevanten Informationsquellen
zu zumutbaren fairen Bedingungen zu sichern, und die Bürgerinnen
und Bürger in die Lage zu versetzen, Informationsprodukte bewerten
und nutzen zu können. Aus diesem allgemeinen Ziel leiten sich
die folgenden weiteren ab, die jeweils auf die unterschiedlichen
Bereiche der Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft bezogen sind.
Interesse der Wirtschaft
Die Informationsgesellschaft
ist in ökonomischer Hinsicht wesentlich dadurch geprägt,
daß in ihr die Verfügung über Wissen zu den wesentlichen
Erfolgsfaktoren gehört. Nicht umsonst wird zum Bewertungsmaßstab
von Organisationen, auch an der Börse, die Einschätzung
ihres intellektuellen Kapitals. Dieses Kapital kann immer weniger
aus den Organisationen heraus selber erarbeitet werden, sondern
ist auf die Erschließung der Information aus den entstehenden
globalen Informationsmärkten angewiesen. Die Kompetenz von
Organisationen beruht nicht zuletzt darauf, die vorhandenen Informations-
und Kommunikationsstrukturen in technischer und methodisch-inhaltlicher
Sicht für ihre Zwecke einzusetzen. Alle Maßnahmen zur
verstärkten Zusammenarbeit von Wissensproduzenten und Wissensanwendern
und zur Erschließung aller Ressourcen müssen unterstützt
werden. Dabei sollte Fachinformation aus ökonomischer Sicht
nicht länger nur als Voraussetzung für Wachstum gesehen
werden, sondern als unverzichtbare Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Wirtschaft im globalen Maßstab und damit als
Grundlage des gesellschaftlichen Reichtums insgesamt.
Informationswirtschaft
Die Informationswirtschaft,
d. i. unter der Perspektive der Fachinformation der Bereich der
allgemeinen Volkswirtschaft, der für die Produktion, Aufbereitung
und Verteilung von Informationsprodukten und dienstleistungen
zuständig ist, ist der Motor der Wirtschaft in der Informationsgesellschaft,
sei es durch ihre Zuarbeit zu den anderen Sektoren der Volkswirtschaft,
wie den Agrar-, Industrie-, Dienstleistungssektoren und dem Sektor
der öffentlichen Verwaltung und Politik. Der Informationswirtschaft,
die ihre Leistungen weitgehend durch die Aufbereitung von Wissen
erzielt, das mit öffentlicher Finanzierung erarbeitet wurde,
müssen neue Anreize zur Gestaltung einer fairen und für
sie konkurrenzfähigen Preispolitik gegeben werden. Steuerungsbedarf.
Auch in der Marktwirtschaft besteht ein erheblicher Steuerungsbedarf
des Staates für den zentralen Bereich der Informationswirtschaft
bzw. besteht die Notwendigkeit zur Schaffung von Anreizen, z. B.
-
durch Vorgabe
politischer Leitziele, wie z.B. freier und fairer Zugriff auf
Information, Bildung von Informationskompetenz für alle
-
durch Entwicklung
rechtlicher und standardisierender Rahmenbedingungen, wie z.
B. neuer fairer Besteuerungsmodelle oder eines neuen fair
use im Urheberrecht,
-
durch die Förderung
von Vorhaben zur Entwicklung innovativer Produkte,
-
durch Anforderungen
an ein leistungsfähiges Informationsmarketing (als Bringschuld
der Fachinformation)
-
durch das Schaffen
neuer vernetzter Organisationsformen
Wissenschaft
Von der fortschreitenden
Ökonomisierung von Wissen und Information sind auch die Bereiche
Wissenschaft und Bildung betroffen. So wie es in Kulturstaaten wie
Deutschland mit den Bibliotheken immer gesichert war, so muß
auch heute unter den Bedingungen des fortschreitenden Einsatzes
von Informations- und Kommunikationstechniken und von Multimedia
der freie Zugang der Wissenschaft zu den Ressourcen des Wissens,
zu den Produkten und Dienstleistungen der öffentlichen und
privaten, kommerziellen Informationsmärkte unbedingt gesichert
sein.
Verteilung und Verbreitung
von Wissen
Es müssen neue
Wege gefunden werden, die es der Wissenschaft, in Koordination mit
den gegenwärtigen Distributoren von Wissen (Verlagen, Agenturen,
Bibliotheken, Buchhandel) und in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften
und den jeweiligen internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaften,
erlaubt, neue Verfahren der Direktpublikation, Direktkommunikation
und Direktverteilung in großem Stil zu entwickeln, ohne dabei
Qualitätseinbußen gegenüber dem derzeit bestehenden
Informations- und Kommunikationsbetrieb zu erleiden. Es kann nicht
sein, daß die Wissenschaft ihre eigenen Produkte von der Wirtschaft
zurückkaufen muß. Informationsmärkte werden zunehmend
zu Endnutzer- und Endanbietermärkten, in Verbindung mit neuen,
personalen und technischen Mittlerformen.
Politik und Verwaltung
Der Bedeutung von
Fachinformation für die Bereiche Politik und Verwaltung muß
deutlicher Rechnung getragen werden, damit Rationalität und
Effizienz von politischen und administrativen Handlungen durch die
Nutzung von Information gesteigert werden kann. Die Anstrengungen
der Verwaltung, im Rahmen der derzeit favorisierten neuen Steuerungsmodelle
bürgernähere und leistungsstärkere und mit der Wirtschaft
koordinierte Verfahren zu entwickeln, hängen entscheidend davon
ab, inwieweit ein leistungsfähiges Informationsmanagement und
entsprechend der Zugriff auf einschlägige Fachinformation realisiert
werden kann. Dieses Informationsmanagement muß zusammengehen
mit der Bereitschaft der Verwaltung, im Sinne einer informationellen
Symmetrie auch die Verwaltungsinformation selber für die Bürger
umfänglicher und besser verfügbar zu machen.
Öffentlichkeit
Die Frage des Zugriffs
auf die Informationsressourcen ist die entscheidende auch für
die Fachkommunikationspolitik (s. Punkt 1), und zwar sowohl in nutzender
als auch gestaltender Hinsicht. Die Rolle von Fachinformation zur
Bildung von aufgeklärter Öffentlichkeit im demokratischen
Gemeinwesen muß im Zusammenspiel mit den Medien der bisherigen
Massenkommunikation, aber auch durch die Berücksichtigung neuer
direkter Formen der Teilhabe der Bürger am öffentlichen
Geschehen, z. B. über elektronische Foren, neu bestimmt und
erweitert werden.
Kulturauftrag
So wichtig und unverzichtbar
die ökonomische und politische Funktion von Fachinformation
auch ist, es darf auf keinen Fall vernachlässigt werden, daß
jede Generation die Pflicht hat, das bis dahin erarbeitete Wissen
nachfolgenden Generationen aufzubereiten und aufzubewahren. Nicht
umsonst baut die UNESCO derzeit weltweit nach den erfolgreichen
Programmen des Weltnatur- und Weltkulturerbes derzeit ein Programm
Memory of the World auf. Es darf nicht passieren, wie
derzeit dramatisch z. B. bei den großen chemischen Wissensbeständen
wie Gmelin und Beilstein ersichtlich, daß der Staat durch
vorschnelle Privatisierung sich der Verantwortung zur kontinuierlichen
Bestandssicherung auch nur partiell entzieht. Sicherung von Fachinformation,
Archivierung von Wissen zum Zweck zukünftiger, gegenwärtig
vielleicht noch unbekannter Nutzung, ist eine wichtige Kulturaufgabe.
Informations- und Medienkompetenz
Unter Anerkennung
der grundsätzlichen Zuständigkeit der Länder für
Angelegenheiten von Aus- und Weiterbildung muß sich eine neue
Informationspolitik verstärkt um die Entwicklung von Informations-
und Medienkompetenz auf allen Ebenen der Ausbildung und in allen
Bereichen der öffentlichen und privaten Weiterbildung kümmern.
Hierzu gehört ebenfalls die Bereitstellung der entsprechenden
technischen Infrastruktur und Lehr- und Lernmittel, aber auch die
Weiterqualifikation der Ausbilder, Lehrer, Hochschullehrer selber.
Nicht der Informatikführerschein ist das Ziel von Informationskompetenz,
sondern die Bildung von Urteilskraft zur Einschätzung und Selektion
von überbordender Information aus weltweiten heterogenen Quellen.
Deren Zuverlässigkeit ist durchaus nicht immer bekannt. Entsprechend
müssen nachvollziehbare Verfahren der Qualitätssicherung
entwickelt werden.
Transparenz
Fachinformation geht
alle gesellschaftlichen Bereiche an. Eine neue Fachinformationspolitik
muß daher stärker als bisher auf Transparenz und Mitwirkung
aller dabei beteiligten Gruppen ausgerichtet sein. Zweckmäßigerweise
sollte dabei das BMBF weiterhin die koordinierende und stimulierende
Rolle spielen. Es müssen dabei neue Formen entwickelt werden,
durch die in der allgemeinen Öffentlichkeit, in den Fachgesellschaften,
in den Medien, in den Organisationen der Informationswirtschaft
und in den vielen gesellschaftlichen Gruppierungen bis hin zu den
Bürgerbewegungen das Bewußtsein für die Wichtigkeit
von Fachinformation und für die Verantwortung der Gestaltung
des Fachinformationsgebietes auch gestärkt wird im internationalen
Maßstab, z. B. zur Überwindung der Barrieren zwischen
informationsarmen und informationsreichen Ländern.
Informationseinrichtungen
Zur Leistungsfähigkeit
der Fachinformation gehören ihre Infrastruktur und die in den
letzten ca. 25 Jahren eingerichteten Fachinformationseinrichtungen/-zentren.
Deren Rolle ist in den letzten Jahren in erster Linie durch kaum
weiter begründete Rationalisierungs- bzw. Privatisierungsanforderungen
der Fachinformationspolitik in Frage gestellt worden. Die anstehende
Transformation der Institutionen des Fachinformationsgebietes muß
sehr vorsichtig und nach den Ergebnissen einer öffentlichen,
weitgehenden Konsensdebatte geführt werden.
Infrastruktur
Die gegenwärtig
unbefriedigende politische Situation des Fachinformationsgebietes
ist auch darauf zurückzuführen, daß sich die Politik
des Instruments einer Infrastruktureinrichtungen des Informationsgebietes
selber durch Auflösung der Gesellschaft für Information
und Dokumentation (GID) beraubt hatte. Seitdem beruhen politische
Zielfindung, Politikberatung und die Wahrnehmung der vielfältigen
informationellen Infrastrukturaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit,
auch bezüglich der Koordination in Europa, auf eher zufälligen
Kontakten und sind kaum in der Öffentlichkeit nachvollziehbar.
Es sollte Aufgabe der Fachinformationspolitik sein, herauszuarbeiten,
unter welchen Bedingungen jenseits eines heute gänzlich
unangebrachten Zentralismus, aber auch jenseits einer zersplitterten
Beliebigkeit eine leistungsfähige, vernetzte, und für
Kontinuität und Transparenz sorgende Fachinformationsinfrastruktur
geschaffen werden kann.
Fachinformation als Kernstück der auf Wissen
hin ausgelegten Informationsgesellschaft
Es ist zum Allgemeingut
geworden, daß der Erfolg der Gesellschaft insgesamt und ihrer
Teilbereiche davon abhängt, wie leistungsfähig sie die
Prozesse der Produktion, Aufbereitung, Verteilung und Nutzung von
Wissen und Information organisieren können. Information beruht
auf vorhandenem Wissen, aus Information kann neues Wissen erzeugt
werden.
Die Informationsgesellschaft
macht nur dann Sinn, wenn sie jeden Bürger und jede Institution
informationskompetent machen kann.
Informationskompetenz
kann heute nicht mehr Wissensautonomie bedeuten, d.h. alles selber
zu wissen, was zum Handeln gebraucht wird, wohl aber Informationsautonomie.
Informationell autonom zu sein, heißt in der Lage zu sein,
auf die Informationsressourcen, die auf den Märkten im Prinzip
verfügbar sind, zugreifen, sie beurteilen und sie produktiv
nutzen zu können. Informationelle Autonomie ist die Voraussetzung
dafür, nicht absolut, aber mit Rücksicht auf aktuelle
Situationen wissensautonom zu werden.
Informationelle Autonomie
war in der längsten Zeit der Menschheit sicher eine Frage von
Intelligenz und Kompetenz, aber in der Ausprägung auch eine
Funktion der persönlichen Kommunikationsfähigkeit und
der Chance, mit anderen, über anderes Wissen verfügenden
Menschen zusammenzukommen, nicht zuletzt auch abhängig von
der Möglichkeit, sich der Ressourcen des Wissens auch in materieller
Hinsicht vergewissern zu können.
Aneignung von Wissen
ist in der Neuzeit zur Chance vieler und im Prinzip aller geworden,
und das hat sich mit der Entwicklung der elektronischen Darstellungs-
und Verteilungsformen von Wissen auf elektronischen Informationsmärkten
fortgesetzt. Nicht zuletzt soll die gegenwärtige Gesellschaft
auch deshalb Informationsgesellschaft genannt werden, weil die Verwirklichung
zumindest der öffentlichen und professionellen Lebensziele
aller Bürger sich auf eine bis dahin nicht gekannte Verfügung
über Wissen abstützen kann.
Eine moderne Gesellschaft
wird darin zu messen sein, inwieweit sie ihre Mitglieder in die
Lage versetzt, informationell autonom zu operieren. Dies ist der
politische Rahmen und das Gestaltungsprinzip auch der Fachinformationspolitik.
Unter Anerkennung
der Internationalisierung von Politik sollte es selbstverständlich
sein, daß das Ziel der informationellen Autonomie nicht zum
Privileg der Mitglieder fortgeschrittener Gesellschaften wie der
Bundesrepublik Deutschland werden darf. Auch die deutsche Fachinformationspolitik
muß an die politischen Forderungen z.B. der UNO bzw. insbesondere
der UNESCO anknüpfen und entsprechende Maßnahmen vorsehen,
daß das Recht aller Menschen auf den freien Zugriff zur Information
die moralische Verpflichtung der fortgeschrittenen Länder bedeutet,
sich für die Verringerung oder Beseitigung der Unterschiede
zwischen Informationsreichen und Informationsarmen auch im zwischenstaatlichen
Bereich einzusetzen. Eine nationale Informationspolitik kann und
darf diese Aspekte nicht ausklammern.
Wenn die Informationsgesellschaft
zu einer Wissensgesellschaft werden soll, kann Information nicht
auf Unterhaltung und auch nicht auf ihren ökonomischen Aspekt
alleine reduziert werden. Fachinformation geht es in bevorzugter
Weise um Produktion, Aufbereitung, Verteilung und Nutzung von Wissen.
Insofern ist das Fachinformationsgebiet das Kernstück der auf
Wissen hin ausgelegten Informationsgesellschaft und bedarf der besonderen
politischen Aufmerksamkeit und des besonderen politischen Gestaltungswillens.
Gerade in einer Zeit,
in der der Charakter von Information als Ware überdeutlich
und auch nicht reversibel ist, sind Öffentlichkeit und Politik
gefragt, die Wege zur Information und zur Aneignung von Wissen für
jedermann begehbar zu halten. Das Ziel der informationellen Autonomie
bleibt dabei stabil, die Wege, es zu erreichen, haben sich in den
letzten Jahren dramatisch geändert.
Fachinformation zur Absicherung
professionellen und öffentlichen Handelns
-
Fachinformation ist der Gegenstandsbereich im allgemeinen Gebiet
von Information und Kommunikation, der sich damit beschäftigt,
daß Fachwissen, das zur Absicherung professionellen und
öffentlichen Handelns dient, in einer dem technischen,
methodischen und organisatorischen Stand des Wissens entsprechenden
Form aufbereitet, angeboten und genutzt werden kann. Es macht
keinen Sinn, den Begriff der Fachinformation weitergehend zu
definieren, z.B. als wissenschaftlich-technische Information.
Fachinformation ist ein funktionaler Begriff. Was in dem einen
Kontext Fachinformation ist, ist in einem anderen Kontext z.B.
Unterhaltungsinformation.
-
Durch die Eingrenzung auf Information zur Absicherung professionellen
und öffentlichen Handelns soll zumindest versucht werden,
die Bereiche Unterhaltung, Freizeit, Alltagskommunikation aus
dem Aufgabenspektrum von Fachinformationspolitik auszugrenzen.
Daß dies nicht immer möglich ist, zeigt z.B. der
Medieninformation. Den Medien insgesamt kommt sicherlich ein
gewichtiger, wenn nicht zentraler Anteil an der Bildung öffentlicher
Meinung in allen Gesellschaftsbereichen zu, so auch von Wissenschaft,
Technik, Wirtschaft und Politik. Im Sinne des funktionalen Definitionsvorschlags
ist das auch Fachinformation, dient es doch der Absicherung
öffentlichen Handelns und der aufgeklärten Teilhabe
an demokratischen Meinungsbildungsprozessen.
-
Die Versorgung mit Fachinformation ist Bestandteil des intellektuellen
Kapitals der Gesellschaft. Auch wenn im folgenden in erster
Linie auf die sich abzeichnenden Transformationen des Fachinformationsgebietes
eingegangen wird, darf auf keinen Fall die bisherige leistungsfähige
Fachinformationsstruktur im Geflecht von Datenbasisproduzenten,
Fachinformationseinrichtungen, Dokumentationen, Vermittlungsstellen,
Datenbankanbietern und elektronischen Marktplätzen, u.a.
durch unangemessene Anforderungen und auf kurzfristige
Erfolge angelegte Privatisierungen oder Auflösungen gefährdet
werden.
-
Kontinuität bei Fachinformationsleistungen ist ein hoher
Wert; einmal eingetretene Diskontinuitäten können
in der Regel kaum wieder repariert werden. Daher muß es
sich die Gesellschaft zur Wahrung des Generationsauftrages der
Bestandssicherung von Wissen auch leisten können, eine
Weile bisherige und neue Strukturen parallel zu finanzieren.
Rahmenbedingungen der
Transformation des Gebietes der Fachinformation
-
Die fortschreitende Telemediatisierung, d.i. die tendenziell
vollständige Durchdringung aller Lebensbereiche mit Techniken
und Leistungen der Informatik, Telekommunikation und von Hyper-/Multimedia,
ist das Gestaltungsprinzip für alle Bereiche der Informationsgesellschaft.
Besonders stark betroffen sind davon das Gebiet und die Aufgaben
der Fachinformation.
-
Fachinformation ist von den Strukturveränderungen nicht
zuletzt deshalb betroffen, weil Institutionen, Personen, Produkte
und Dienstleistungen der Fachinformation traditionell den Mittlerformen
zuzurechnen sind. Wenn eine Aussage auf dem Gebiet elektronischer
(Informations)Märkte als gesichert gelten kann, dann die,
daß die Mittler durch die Entwicklung des Internet zu
einem allgemeinen Netzwerk nicht nur der Fachkommunikation,
sondern der Publikumsmärkte am stärksten betroffen
sind. Mittler sind z.B. Reisebüros im Touristikgewerbe,
der Buchhandel als Mittler zwischen Endkunden und Verlagen,
aber eben auch alle bisherigen professionellen Informations(vermittlungs)aktivitäten.
-
Betroffen in der Mittlerfunktion sind nicht nur die eigentlichen
Informationsvermittler, also die Information Broker auf dem
Markt und im innerorganisationellen Geschehen, sondern auch
die klassischen Informationsproduzenten und Informationsanbieter,
also z.B. die Datenbasisproduzenten und die Datenbankanbieter;
ebenso die Bibliotheken, die Verlage und die Druckereien, kurz:
alle Institutionen und Personen, die sich mit der Erstellung,
der Aufbereitung und dem Angebot von Informationsprodukten und
Informationsdienstleistungen beschäftigen. Betroffen sind
mit den Mittlerleistungen auch die Umgebungen der Produktion
von Wissen und die der Nutzung von Wissen, indem bisherige Vermittlungsleistungen
einmal in die Zuständigkeit der Produzenten selber, z.B.
der Wissenschaft, zum andern in die der Nutzer fallen.
-
Insgesamt ist nicht zu erwarten, daß Informationsmärkte
trotz aller Endanbieter- und Endnutzertendenzen auf Mittlerleistungen
verzichten können. Sicher aber, daß nichts auf den
Informationsmärkten in den nächsten Jahren so bleiben
wird, wie es jetzt ist. Für die Fachinformationspolitik
ergeben sich dadurch hohe Gestaltungspotentiale, aber auch Gestaltungsanforderungen
und Gestaltungsverantwortung.
-
Eine neue Fachinformationspolitik, die weiterhin eine Politik
der Informationsmittlerleistungen ist, muß die folgenden
Aspekte, die auf die Transformation der Mittlerfunktionen einwirken,
berücksichtigen:
-
Konvergenzeffekte: Die Zielgruppen für informationelle
Mittlerleistungen ändern sich: aus Märkten der Fachinformation
und Fachkommunikation werden allgemeine Publikumsmärkte
mit starken Konvergenzeffekten, d.h. lange Zeit getrennte Bereiche
müssen aus Marktsicht zusammen gesehen werden.
-
Informationelle Symmetrie: Zu der Ausweitung der
Gegenstandsbereiche für informationelle Mittlerleistungen
gehört die verstärkte Anforderung an den öffentlichen
Bereich, seine Informationsbestände im Sinne einer informationellen
Symmetrie den Bürgern offenzulegen, also nicht nur Information
für Verwaltungszwecke anzufordern, sondern auch Information
umfassend zurückzugeben. Das Prinzip der informationellen
Symmetrie wird auch in anderen Bereichen zur Grundlage reziproken
Marktverhaltens.
-
Produktdiversifikation: Die Mittlerleistungen unterliegen
einer weitgehenden Produktdiversifikation, vor allem unter dem
Einfluß der Faktoren Online-Betrieb/Telekommunikation,
Multimedia und Hypertextifizierung/Vernetzung.
-
Marketingbedarf: Die Marktstruktur und das Marktverhalten
insgesamt ändern sich. Aus bislang weitgehend angebotsorientierten
Dienstleistungen werden zunehmend nachfrageorientierte Dienstleistungen
mit der Konsequenz eines intensivierten Marketing.
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Postprofessionalisierung: Das gesamte Informationsgebiet
unterliegt einer fortschreitenden Postprofessionalisierung,
d.h. neben die klassischen Teilnehmer Verlage, Buchhandel,
Druckereien, Bibliotheken, Archive, Museen, Dokumentationseinrichtungen,
Datenbasisproduzenten und Datenbankanbieter treten viele
Anbieter und Dienstleister, die zum engeren Informationsgebiet
ursprünglich keinen Kontakt hatten, z.B. Banken, Versicherungen,
Beratungsunternehmen, Medienhäuser jeder Art, Software-Hersteller,
Kammern, Kommunen, aber im Prinzip jedes Wirtschaftsunternehmen,
das in der Informationsgesellschaft als Teilnehmer der Informationswirtschaft
auftreten und Geld verdienen will. Man kann diese Entwicklung
nicht nur als Post-, sondern auch als neue Professionalisierung
bezeichnen.
-
Endnutzermärkte: Informationsmärkte entwickeln
sich zunehmend zu Endnutzermärkten, d.h. die Entwicklung
der Benutzerschnittstellen (direkte Manipulation, Graphik-Schnittstellen)
erlaubt es immer mehr Personen, sich den Zugriff zu Informationsressourcen
ohne Vermittlungsunterstützung direkt zu verschaffen.
-
Endanbietermärkte: Informationsmärkte entwickeln
sich zunehmend zu Endanbietermärkten, d.h. der leichte
Zugriff zu den Netzwerken bzw. der kostengünstige Aufbau
von eigenen elektronischen Informationsangeboten - nicht nur
in Wirtschaft oder Wissenschaft, sondern im Prinzip für
jedermann auch im Privatbereich (in Deutschland sind gegenwärtig
mit stark steigender Tendenz ca. 2 Millionen Host-Rechner an
das Internet angeschlossen) erlaubt es einzelnen Personen und
nicht-professionellen Gruppen ihre Informationsleistungen direkt
in das Netz zu stellen.
-
Technische Informationsassistenz: Informationelle Mittlerleistungen
werden zunehmend durch technische Informationsassistenten in
den verschiedensten Ausprägungen wahrgenommen. Das reicht
über Such-/Orientierungsassistenten über Transaktionsassistenten
bis hin zu fortgeschrittenen Kommunikationsassistenten.
-
Entsprechend den Veränderungen in den Rahmenbedingungen
ist eine weitgehende Umschichtung in den Zuständigkeiten
für die Erzeugung, Aufbereitung, Verteilung und Nutzung
von Fachinformation zu erwarten. Dies wird in den einzelnen
Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik. Bildung,
Medien etc. - verschieden ausfallen. In jedem Fall sind die
jeweils einschlägigen Partizipanden in der Wissenschaft
z.B. wissenschaftliche Autoren, wissenschaftliche Gesellschaften
und Verbände, Verlage, Buchhandel, Druckwesen, Clearinghäuser,
elektronischer Versandhandel etc. an der Ausgestaltung
der Fachinformationspolitik zu beteiligen.
Fachinformation und Wissenschaft
-
Oberstes Ziel einer jeden Fachinformationspolitik muß
es sein, der Wissenschaft die informationelle Grundlage zu geben,
die sie in die Lage versetzt, in der Kontinuität mit den
bislang erzielten Ergebnissen zu neuen Einsichten zu kommen,
und gleichzeitig die Rahmenbedingungen zu schaffen, die den
Austausch des erarbeiteten Wissens mit Anwendern in allen gesellschaftlichen
Bereichen (z.B. der Wirtschaft, Politik/Verwaltung, Bildung,
Medien, aber auch der allgemeinen Öffentlichkeit) möglich
macht.
Direktpublikation
-
Angesichts der auf elektronischen Märkten möglich
werdenden Formen der Direktpublikation und der Eigenverteilung
müssen neue Spielregeln und Vereinbarungen im Zusammenspiel
von Wissenschaftlern (Autoren und Nutzer), wissenschaftlichen
Organisationen, Verlagen, Buchhandlungen und anderen (auch elektronischen
Vertriebsformen) und Speicher- und Anbieterinstitutionen (wie
Archive und Bibliotheken, Volltextdepots) gefunden bzw. getroffen
werden. Hierbei ist auf die internationale Verflechtung, die
Einhaltung von Standards und die Verfügbarkeit in der englischen
Wissenschaftssprache zu achten.
-
Es müssen in den Hochschulen und anderen Wissensproduktionseinrichtungen
die Voraussetzungen dafür geschaffen oder erweitert werden,
daß Wissenschaft die Publizität ihrer Forschungsergebnisse
selber in die Hand nehmen kann.
-
Es muß geklärt werden, welche Rolle die Verlage und
die anderen Vermittlungseinrichtungen (Buchhandel etc.) weiterhin
bei der (elektronischen) Direktbereitstellung spielen sollen.
Insbesondere bedarf es erheblicher Gestaltung bei z.B. den folgenden
Problemen:
-
Es müssen neue, effizientere Mechanismen der Bekanntmachung
(Metainformationsformen) entwickelt werden, um bei durchgängiger
Direktpublikation die Ergebnisse auch öffentlich allgemein
bekannt zu machen.
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Neue Formen des Wissenschaftsmarketing und der Wissenschaftswerbung
sind in den elektronischen Medien erforderlich.
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Im Wissenschaftsbereich ist Kompetenzerweiterung nötig,
um die Informationsarbeit der informationellen Aufbereitung
(Inhaltserschließung/Wissensrepräsentation, mediale
Veredelung, Übersetzung, etc.) entweder selber leisten
zu können oder dafür neue Kooperationspartner zu finden.
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Neue Verfahren der Qualitätssicherung müssen bei durchgängiger
Direktpublikation entwickelt werden, um die Standards im Wissenschaftsbereich
aufrecht erhalten zu können, ohne dadurch restriktiv die
innovativen Möglichkeiten des Publizierens durch jeden
zu verschütten.
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Sowohl Urheberrecht und Copyright für wissenschaftliche
Publikationen müssen neu definiert werden. Es muß
eine neues Fair-use-Prinzip entwickelt werden.
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Umschichtungen im Autorenbegriff sind durch die in den elektronischen
Medien verstärkt auftretenden virtuellen Publikationsformen
zu erwarten, und es muß ihnen Rechnung getragen werden.
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Die in den elektronischen Medien und durch Formen der Direktpublikation
verstärkt auftretenden Probleme der Dauerarchivierung -
Sicherung des Bestandes des Wissen - müssen in Zusammenarbeit
mit den betroffenen und zuständigen Personen und Institutionen
gelöst werden.
Informationelle Absicherung
der Wissenschaft
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Oberstes Ziel bei der Arbeit der informationellen Absicherung
von Wissenschaft muß der freie und uneingeschränkte
Zugriff zu dem Wissen und zu den Ressourcen der Information
sein, die in öffentlicher Zuständigkeit hergestellt
wurden.
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Das gilt zunächst selbstverständlich für das
im Bereich der Wissenschaft und anderen öffentlich finanzierten
Einrichtungen produzierte Wissen und den daraus abgeleiteten
Informationsleistungen. Das gilt aber auch für die Angebote/Mehrwertleistungen
der Informationswirtschaft. So wie durch staatliche Finanzierung
die Bibliotheken auf den Märkten die gedruckten und andere
mediale Produkte kaufen und dann gebührenfrei ihren Nutzern
bereitstellen konnten/können, so müssen auch die elektronischen
Informationsprodukte angekauft und den Berechtigten zugänglich
gemacht werden.
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In den Hochschulen und anderen Wissensproduktionseinrichtungen
muß verstärkt der Aufbau informationeller Sensibilität
und Kompetenz gefördert werden. Der methodisch geschulte
Umgang mit Fachinformation muß zur Basisqualifikation
eines jeden Wissenschaftlers gehören. Dazu gehört
auch die Kenntnis und Einhaltung der entsprechenden internationalen
Standards im Wissens- und Informationsbereich.
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An den Universitäten sind Infrastruktureinrichtungen für
Information und Kommunikation einzurichten. Die bisherigen Rechenzentren
und Bibliotheken sollen verstärkt zusammenarbeiten bzw.
gemeinsame Einheiten bilden, die in erster Linie die Informationsarbeit
von Wissenschaftlern in jeder Hinsicht, nicht nur Rechnen und
Buchbeschaffung, unterstützen sollen.
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Es müssen neue Modelle des wissenschaftlichen Arbeitsplatzes
und der informationellen Absicherung (über wissenschaftliche
Marktplätze) entwickelt werden, die sich an der Metapher
der Portale orientieren könnten, d.h. Wissenschaftler treten
durch auf ihre individuellen Bedürfnisse hin zugeschnittenen
Portale in eine Fachinformationswelt ein, in der sie in einem
elektronischen Informationsraum alles an Information finden,
was sie zur Lösung anstehender Probleme brauchen
schnell, einfach, strukturiert, handlungsrelevant, qualitativ
bewertet.
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Es müssen Finanzierungsmodelle entwickelt werden, die den
Bedürfnissen der Öffentlichkeit nach freiem Zugang
zur Information in der Wissenschaft Rechnung trägt und
ebenso dem berechtigten Ansinnen der Informationswirtschaft,
auch mit Produkten der Fachinformation Gewinne zu erzielen.
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Die Informationswirtschaft muß auf angemessene Weise dem
Wissenschaftssystem (nicht unbedingt den Autoren selber) den
Input an Originalwissen für ihre Produkte honorieren. Es
kann nicht angehen, daß die Informationswirtschaft die
wissenschaftliche Originalproduktion sich weitgehend kostenlos
aneignen kann, um darauf marktfähige Produkte zu machen,
die dann von der Wissenschaft selber zurückgekauft werden
müssen.
Fachinformation und Wirtschaft
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Die Informationsgesellschaft ist in ökonomischer Hinsicht
wesentlich dadurch geprägt, daß in ihr die Verfügung
über Wissen zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren gehört.
Nicht umsonst wird zum Bewertungsmaßstab von Organisationen,
auch an der Börse, die Einschätzung ihres intellektuellen
Kapitals. Dieses Kapital kann immer weniger aus den Organisationen
heraus selber erarbeitet werden, sondern ist auf die Erschließung
aus den sich immer mehr global organisierenden Informationsmärkten
angewiesen. Die Kompetenz von Organisationen beruht nicht zuletzt
darauf, die vorhandenen Informations- und Kommunikationsstrukturen
in technischer und methodisch-inhaltlicher Sicht für ihre
Zwecke einzusetzen.
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Strategien und Aktivitäten im Bereich der Fachinformation
müssen diesem Strukturwandel in der Wirtschaft, der immer
mehr zu virtuellen Organisationsformen im globalen Maßstab
führen wird, Rechnung tragen. Auch wenn nationale Informationspolitiker
nur noch in der Kommunikation mit den europäischen und
internationalen Aktivitäten möglich sind, ist es doch
die spezielle Aufgabe der Fachinformationspolitik in der Bundesrepublik
Deutschland, die informationelle und kommunikative Infrastruktur
bereitzustellen, die es der Wirtschaft in Deutschland erlaubt,
mit entsprechendem intellektuellen Kapital ausgerüstet
in dem globalen Wirtschaftsgeschehen erfolgreich mitzumischen.
Dazu gehört auch die Unterstützung des Wissenstransfers
aus den Bereichen der Wissensproduktion (z. B. den Universitäten)
in den Bereich der Wissensnutzung (hier der Wirtschaft)
[Vorschläge
für konkrete Maßnahmen einfügen]
Fachinformation und öffentlicher
Bereich
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Die Aussagen zur Bedeutung des intellektuellen Kapitals für
die Wirtschaft gelten ebenso für den öffentlichen
Bereich aus Politik und Verwaltung auf allen Ebenen. Hier sind
drei wesentliche Tendenzen auszumachen:
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eine fortschreitende Verwissenschaftlichung des
Politik- und Verwaltungsgeschehens
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eine fortschreitende Vernetzung der Politik- und Verwaltungsbereiche,
zunächst im europäischen Maßstab, dann auf vielen
Gebieten auch im globalen Maßstab
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die zunehmende Bedeutung von öffentlicher Information
zur Gestaltung aller gesellschaftlichen Bereiche und damit die
verstärkte Nachfrage nach ihr bzw. die Anforderung, zu
dieser leichter als bisher Zugriff zu haben.
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Eine Fachinformationspolitik muß entsprechend dem Rechnung
tragen, daß der öffentliche Bereich verstärkt
die von ihm erzeugten Informationen auf angemessene und die
Potentiale der Information- und Kommunikationstechnologien ausnutzende
Weise der Öffentlichkeit (der Wirtschaft, aber auch dem
allgemeinen Publikum) zur Verfügung stellt.
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Der Zugriff zur öffentlichen Information, sofern sie öffentlich
werden kann, muß grundsätzlich uneingeschränkt
und gebührenfrei sein. Ob der Staat selber als Informationsanbieter
auftritt oder andere Organisationen damit beauftragt, ist eine
wichtige, aber nicht entscheidende Frage. Es darf aber nicht
die Situation auftreten, daß in einer Demokratie die Bürger
die öffentliche Information von privaten Anbietern ankaufen
muß.
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Weiterhin muß die Fachinformationspolitik, die sich zum
Ziel setzt, daß auch öffentliches Handeln informationsrational
organisiert ist, Maßnahmen dafür treffen, daß
das Wissensmanagement in den Bereichen Politik und Verwaltung
verstärkt auf die Ressourcen der Informationsmärkte
zurückgreifen kann, sich also nicht nur auf die internen
Ressourcen verläßt.
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Entsprechend sind die Kommunikationsinfrastrukturen zu schaffen,
die Politik und Verwaltung einen effizienten Austausch mit anderen
Politik- und Verwaltungsbereichen, mit den Informationsmärkten,
aber vor allem auch mit ihrer Klientel in allen Bereichen der
Gesellschaft ermöglicht.
[Maßnahmen
einfügen]
Fachinformation und (mediale)
Öffentlichkeit
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Vom allgemeinen Strukturwandel in der Informationsgesellschaft
sind auch die Formen der Erstellung demokratischer Öffentlichkeit
betroffen, die bislang in erster Linie von den klassischen Medien
wahrgenommen wurden. Auch bei den Medien werden Formen der globalen
Vernetzung, der Virtualisierung ihrer Organisationsformen und
vor allem der Bedeutung der Vertiefung über intellektuelles
Kapital immer wichtiger.
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Fachinformationspolitik muß dem Rechnung tragen, daß
ein öffentliches Interesse daran besteht, daß die
Medien die Ressourcen der Information, vor allem von öffentlich
erzeugter Information aus Politik/Verwaltung und Wissenschaft,
für ihre Arbeit nutzen können. Dies bedeute auch,
daß Fachinformation in einer Weise aufbereitet wird, daß
sie auch in nicht-wissenschaftlichen Umgebungen genutzt werden
kann.
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Auch der andere Aspekt der Erzeugung demokratischer Öffentlichkeit
durch das Publikum selber sollte Gegenstand der Fachinformationspolitik
sein: Es ist nicht zu verkennen, daß das Meinungsbildungsmonopol
der Politik- und Medienprofessionellen durch den fortschreitenden
Einsatz von elektronischen Kommunikationsformen (Email, Foren,
Konferenzsysteme etc.) auch für das allgemeine Publikum
transformiert wird. Es müssen entsprechende kommunikative
Infrastrukturen geschaffen werden, auch beispielsweise zur Vorbereitung
und Durchführung von Wahlen, die den möglichen Wandel
des Demokratieverständnisses in der Informationsgesellschaft
in Richtung direkter Formen Rechnung tragen können.
Fachinformation
im Bildungsbereich
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Das Fachinformationsgebiet kann nur so gut sein bzw. so erfolgreich
auf die anderen Gebieten der Gesellschaft einwirken, als die
Menschen informationskompetent sind, und zwar in dem doppelten
Sinne:
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Lange Zeit beschränkte sich Informationskompetenz auf die
eher technische Sicht (exemplarisch in den Forderungen nach
dem Informatikführerschein deutlich geworden). Es ist aber
heute klar erkennbar, daß die Wettbewerbsfähigkeit
der Informationswirtschaft zwar auf der Verfügung der technischen
Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (den Rechnern
und der Telekommunikation) beruht, die Umsätze aber immer
mehr über die Inhalte bzw. über die Erzeugung informationeller
Mehrwerte über die Inhalte, also durch die vielfältigen
Informationsprodukte und dienstleistungen selber erzielt
werden. Die Informationswirtschaft benötigt entsprechend
dringend Personal, das im Umgang mit Information selber professionell
geschult ist.
Infrastruktur der Fachinformation
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Zur weiteren Infrastruktur der Fachinformation gehören
auch die in den letzten ca. 25 Jahren eingerichteten Fachinformationseinrichtungen/-zentren.
Deren Rolle ist in den letzten Jahren in erster Linie durch
kaum weiter begründete Rationalisierungs- bzw. Privatisierungsanforderungen
der Fachinformationspolitik in Frage gestellt worden, ohne daß
eine öffentliche Debatte darüber geführt worden
ist, in welchem Ausmaß in Deutschland die Öffentlichkeit/der
Staat für die institutionelle Finanzierung welcher Zentren
auf welchen Gebieten des Wissens sich für zuständig
erklärt bzw. welche neue Aufgaben auf die Fachinformationszentren
zukommen, für die sie institutionelle und personelle Kapazität
und Kompetenz haben.
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Die anstehende Transformation der Institutionen des Fachinformationsgebietes
muß sehr vorsichtig und nach den Ergebnissen einer öffentlichen,
weitgehenden Konsensdebatte geführt werden.
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Die unbefriedigende politische Situation des Fachinformationsgebietes
ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, daß
sich die Politik des eigens dafür geschaffenen Instrumentes
einer Infrastruktureinrichtungen des Informationsgebietes selber
durch Auflösung der Gesellschaft für Information und
Dokumentation (GID) beraubt hatte. Seitdem beruhen politische
Zielfindung, Politikberatung und die Wahrnehmung der vielfältigen
informationelle Infrastrukturaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit,
auch bezüglich der Koordination in Europa, auf eher zufälligen
Kontakten und sind kaum in der Öffentlichkeit nachvollziehbar.
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Es sollte Aufgabe der Fachinformationspolitik sein, herauszuarbeiten,
unter welchen Bedingungen jenseits eines heute gänzlich
unangebrachten Zentralismus, aber auch jenseits einer zersplitterten
Beliebigkeit eine leistungsfähige und für Kontinuität
und Transparenz sorgende Fachinformationsinfrastruktur geschaffen
werden kann. Dafür ist sicherlich eine kleine leistungsstarke
autonome Institution (keine nachgeordnete Einrichtung der Politik)
erforderlich, wichtiger aber sind neue, die Potentiale der gegenwärtigen
Kommunikationstechnologien nutzende Formen wie runde Tische,
Foren und alle Formen des direkten Austauschs über Konferenzen,
Hearings, Workshops etc.
Politische Steuerung und Zuständigkeit
für Fachinformation
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Bislang ist dem BMBF bzw. seinen Vorläuferinstitutionen
die Federführung bei der Ausgestaltung des Fachinformationsgebietes
zugekommen. Angesichts der zentralen Bedeutung von Wissenschaft,
Technik und Bildung für Fachinformation ist es auch weiterhin
sinnvoll, daß das BMBF hier die treibende und politikgestaltende
Kraft bleibt, allerdings in Zukunft mehr in dem Sinne, daß
das an den Rändern immer mehr sich ausdifferenzierende
Gebiet der Fachinformation einer Instanz bedarf, die koordinierend,
steuernd tätig wird und insgesamt für Transparenz
im Fachinformationsgeschehen sorgt.
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An beiden an entsprechender Koordination und an der Transparenz
hat es in den Jahren entscheidend gefehlt. Auch im Vergleich
zu anderen Ländern in Europa und im Weltmaßstab sind
die Beträge, die in Deutschland für die Unterstützung
der Fachinformation ausgegeben wurden, nicht unverhältnismäßig
gering. Aber das Gebiet ist in den Zuständigkeiten und
Maßnahmen nach wie vor stark zersplittert dies
war die Kritik des ersten Berichtes des Bundesrechnungshofes
an der Situation der Dokumentation Mitte der sechziger Jahre
und läßt in den letzten Jahren keine klare
Zielsetzung und kompetente Umsetzung erkennen.
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Beispiele für unzulängliches politisches Management
der Fachinformation sind zahlreich anzuführen: angefangen
von der unzureichenden, obgleich auch vom Wissenschaftsrat verschiedentlich
eingeklagten Unterstützung der Informationswissenschaft,
der unüberlegten Auflösung der Infrastruktureinrichtung
für das Fachinformationsgebiet (GID), über die katastrophale
Mis-Management-Entscheidungen bei zentralen Dienstleistungsangeboten
in der Chemieinformation (Gmelin, Beilstein) und anderen Informationsangeboten
bis hin zur gänzlich unzulänglichen Informationspolitik
bezüglich der Fachinformationseinrichtungen (FIS-/FIZ-Politik),
der unzulänglichen Zusammenarbeit mit den anderen Partizipanden
des Informationsgebietes (z.B. Verlage, Bibliotheken, internationale
Institutionen) oder der unerträglichen Verzögerung
bei der Implementierung von an sich innovativen Vorhaben wie
Global-Info, ... .
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Ebenso gewichtig wie die fehlende Koordinationskompetenz
man kann eher von negativer Koordination sprechen, also der
Eingrenzung auf das vom BMBF-Referat allein Entscheidbare,
ist die mangelnde Transparenz im Fachinformations(förder)geschehen.
Hier ist in den letzten Jahren eine Politik der Intransparenz
betrieben worden, die in hohem Maße wissenschaftliche
Einrichtungen, Fachgesellschaften und viele Wissenschaftler,
ebenso wie die fachinformationsbezogenen Einrichtungen (die
FIZen), verunsichert haben und die im direkten Widerspruch zu
den Gestaltungszielen der Fachinformation in der Informationsgesellschaft
steht. Hier ist eine Strukturveränderung dringend erforderlich.
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Aufgabe der Fachinformationspolitik muß es sein, eine
leistungsfähige politische Fachinformationsstruktur aufzubauen,
deren oberste Ziele die Koordination mit allen nationalen und
übernationalen politischen Einrichtungen, mit den wissenschaftlichen
Institutionen und den Institutionen des weiteren Fachinformationsgebietes
sowie das Schaffen von Transparenz (als Bedingung der Akzeptanz
in der Öffentlichkeit) gehören. Zu letzterem gehört
auch ein intensiviertes politisches Informationsmarketing.
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