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  themen : privacy : ideen, konzepte, kulturelle unterschiede  
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Grundsätzlich stellt sich bei der Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Privacy die Frage, ob es sich hierbei nicht um eine von den Entwicklungen einer sich ausprägenden Informationsgesellschaft überholte Vorstellung handelt.

In einer auf Telekommunikation und Information basierenden Gesellschaftsform verändern sich auch Produktion und Konsum, ebenso wie sich Produkte und Dienstleistungen dem gewandelten Umfeld anpassen. Die Tendenz geht in Richtung "tailer-made", also personalisierten Gütern, die ein hohes Maß an individuellen Informationen voraussetzen. Nur wenn die Interessen und Präferenzen eines Konsumenten bekannt sind, können ihm auch dementsprechende Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Letztlich muss jedoch immer ein für alle Beteiligten tragbarer Kompromiss gefunden werden und weitestgehende Transparenz bestehen: Transparenz darüber welche Daten anfallen, welche wie gespeichert und weiterverarbeitet werden, wer sonst noch Zugang zu den persönlichen Informationen besitzt.

Neben der Wertentscheidung, wie weit Privacy ein schützenswertes Gut ist, sind die Handlungsstrategien immer vom kulturellen Kontext und den länder- und systemspezifischen Politikroutinen abhängig.

Die europäischen Länder zielen auf allgemeinverbindliche rechtsvorschriften, um einen gewissen Privacy-Standard zu gewährleisten. Demgegenüber wird in Nordamerika in neoliberaler Tradition vorrangig an die freien Marktkräfte vertraut. In dafür exemplarischer Deutlichkeit erläuterte Scott McNealy, Mitgründer und Chef der amerikanischen Computerfirma Sun Microsystems, in einem Interview Ende Oktober 1999 seine Vorstellungen von informationeller Privatsphäre: "Wir Amerikaner glauben an die unsichtbare Hand des Marktes, die solche Dinge regelt. Wir haben nicht das brennende Bedürfnis der Europäer, alles mit Vorschriften zu regeln. Ihr Arzt hat Ihre Gesundheitsdaten, Ihre Bank hat Ihre Kontoauszüge. Was würden Sie tun, wenn Sie herausfänden, dass Ihr Arzt Ihre Krankengeschichte im Internet veröffentlicht? Sie würden ihn verklagen und den Arzt wechseln. Und wenn Ihre Bank Ihre Kontoauszüge veröffentlicht, wechseln Sie die Bank... Wozu brauchen wir da ein Gesetz?".(http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,50806,00.html)

Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang Robert Cailliau, der zusammen mit Tim Berners-Lee am europäischen Forschungszentrum CERN das für das World Wide Web grundlegende Hypertext-System entwickelte und als Internet-Pionier gilt. Er fordert neben der Einführung von Mikrogebühren (sogenannte Micropayments) eine Registrierung für Websurfer, ähnlich dem Führerschein und den Kfz-Kennzeichen. Cailliau tritt für eine solche Regulation der Internetnutzung ein, um so denn real existierenden Gefährdungen in der virtuellen Netzwelt Abhilfe zu schaffen: Verletzungen des geistigen Eigentums und Schutz vor psychischem Schäden. Parallel hofft er damit auch dem Spamproblem und dem unkontrollierten Datensammeln begegnen zu können. Gefährdungen der Privatsphäre oder der Anonymität sieht Cailliau darin nicht: "Auch mein Auto hat ein Nummerschild und ist registriert, aber ich muss niemandem sagen, was ich mit ihm mache oder wohin ich fahre".

Andererseits sind seine Forderungen auch Zeugnis seiner Erkenntnis, dass sich nur so der elektronische Handel richtig entwickeln kann: "Anonymität und Registrierung sind zwei verschiedene Stiefel... Natürlich bin ich für Anonymität, wo sie mir nützlich erscheint. Nicht beim E-Commerce. Nicht beim Publizieren. Ich will meine Anonymität, ohne mir Sorgen darum machen zu müssen".(http://www.heise.de/ct/00/01/020/default.shtml)

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letzte Änderung am 10.02.2000