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Was führt nun zu einer steigenden Bedrohung der informationellen
Privatsphäre in der sich ausbildenden Informationsgesellschaft?
1. Elektronisierung
und Digitalisierung der Telekommunikation in globalen Computernetzen
Die im Internet angebotenen Mehrwertdienste erfreuen sich immer
größerer Beliebtheit. Aus dem ursprünglich für militärische Nutzung
konzipierten ARPANET entwickelte sich schnell ein neues Kommunikationsmedium
für wissenschaftliche Zwecke, elektronischen Geschäftsverkehr und
professionelle und private Alltagskommunikation.
Im Internet und seinen Mehrwertdiensten verschwimmt die klassische
Trennungslinie zwischen Individual- und Massenkommunikation, indem
beide Formen innerhalb eines Mediums integriert sind. Informationen
werden nicht mehr nur verteilt und zugeschickt, sondern gezielt
angeboten und abgerufen. Virtuelle Netzräume sind prinzipiell als
offene Systeme konzipiert. Der Einzelne als Nutzer von Diensten
beteiligt sich zugleich an der Produktion von Wissen als aktiver
Betreiber einer Website. Die grundsätzlich kommunikative Struktur
der neuen Informationsräume verdeutlicht sich an den vielfältigen
Möglichkeiten von Diensten wie Email, ListServern und elektronischer
Newsletter.
Eine partizipatorische - wenn nicht sogar emanzipatorische - Komponente
erhält die "Informationsmoderne" durch Newsgroups, Chat Boards und
insbesondere elektronische Kommunikationsforen. Gleichzeitig dazu
verbreitet sich jedoch eine gewisse informationelle Unsicherheit.
Der Einzelne verliert die Kontrolle über seine Beiträge. Angesprochen
ist hier der Umstand, dass Emails gezielt abgefangen und unbefugt
eingesehen werden. Erleichtert wird dies durch die dezentrale Struktur
des Internets.
Um die Anfälligkeit des Kommunikationssystems zu minimieren, werden
Nachrichten paketvermittelt versendet. In einzelne IP-Pakete zerstückelt
sucht sich jedes Package seinen eigenen Weg zum Ziel-Server. Welcher
Weg dabei zurückgelegt wird, kann - wenn überhaupt - nur unzureichend
kontrolliert werden.
Dazu lassen sich prinzipiell auf jedem Router die IP-Pakete mit
Packet Sniffer Programmen kopieren und anschließend durchsuchen.
Auch wenn die Einzelteile jeweils nur ein Stück der Gesamtinformation
enthalten, so degenerieren sie zu quasi Postkarten, die durch die
Hände mehrerer "Postboten" wandern. Ebenso können elektronische
Nachrichten bewußt weitergeleitet werden, was durch Mehrfachadressierung
und die Forward-Funktion technisch kein Problem mehr darstellt.
Es ist nicht transparent, wer Zugriff auf Beiträge in Diskussionsforen
und Postings in Newsgroups besitzt und was damit geschieht.
2. Wachsende Datenkommunikation
Die verstärkte Abwicklung verschiedener Kommunikationsaktivitäten
in elektronischer Form hat zur Folge, dass auch immer mehr sensible
und persönliche Informationen in den globalen Datennetzen anfallen;
Beispiele hierfür sind telemediatische Anwendungen wie Tele-Arbeit,
Tele-Banking, Tele-Shopping, Bereiche der Tele-Medizin. Im Zuge
dieses qualitativ und quantitativ zunehmenden Informationsaufkommens
gewinnen Datensicherheit und Vertraulichkeit eine neue Bedeutung.
3. Interaktionsdaten
und elektronische Spuren - "User Tracking"
Auch zunächst passiv erscheinende Informationssituationen, wie
der Zugriff auf externe Wissensbestände, verursachen alleine durch
das Interaktionsverhalten eine Fülle an persönlichen Informationen.
Jedes Herumstöbern als "hypertextgerechtes Assoziieren" in den
neuen Informationsräumen, jeder Zugriff und jede Abfrage von Informationen
hinterläßt elektronische Spuren. Wählt man sich bei seinem Provider
ein, bekommt man automatisch eine IP-Adresse zugewiesen, die, solange
man online ist, unverändert bleibt. Aus der Client IP-Adresse extrahiert
der Server Informationen, von welcher Website aus man zugreift.
Dies ist auch notwendig, da ansonsten keine Antwort erfolgen kann.
Daneben werden Daten weitergegeben, die den geographischen Standort
und den Rechner bezeichnen. Die numerische Adresse stellt sich im
Prinzip immer zusammen aus Daten über Land - Rechner - Nutzer. IP-Adressen
sind dynamisch, d.h. bei jeder neuen Sitzung bekommt man eine andere
zugewiesen; gleich bleibt nur der Teil, der das Land und den Rechner
(Server beim Provider) kennzeichnet. Jeder Browser sendet eine Kennung,
die es ermöglicht, die verwendete Software (Browsername- und version,
Betriebssystem) zu ermitteln. Darüberhinaus protokollieren Websites
auch die Uhrzeit des Zugriffs.
Diese Art, Netzaktivitäten von Benutzern nachzuvollziehen, wird
im anglo-amerikanischen Sprachraum unter dem Fachterminus "User
Tracking" debattiert (http://www.junkbusters.com/cgi-bin/privacy).
Diese zwangsläufig bei der Interaktion mit Netzdiensten abgegebenen
Daten erweiterten sich häufig noch durch freiwillige Auskünfte .
Oft werden die Interaktionspartner der Informationssysteme aufgefordert,
persönliche Daten einzugeben. Animiert durch meist interaktive Werbepräsentationen,
nehmen viele Surfer an Umfragen teil und speisen so Dienste mit
individueller Information . Durch Eingabe seiner Email-Adresse erhält
man das Versprechen im Gegenzug - als Tauschgeschäft sozusagen -
weiterhin über bestimmte Themen oder Produkte informiert zu werden.
Damit wird eine neue Dimension beschritten. Bis hierhin sind die
Angaben anonym. Aktivitäten in Rechnernetzen gewinnen zwar an Transparenz,
aber nur der Provider kann IP-Adressen mit real existierenden Personen
verknüpfen. Email-Adressen und damit Identitäten lassen sich nur
aus privaten Websites, Postings in Newsgroups oder IRC-Sitzungen
extrahieren. Insbesondere jedoch bei geschäftlichen oder professionellen
Transaktionen in elektronischen Netzen, lassen sich Rückschlüsse
auf die Identität der Akteure ziehen.
So bei der Verwendung von Electronic Cash, Kreditkarte oder beim
weitverbreiteten Einsatz von Chipkarten.
Die Frage stellt sich, was geschieht mit diesen Informationen,
für "die sich andere interessieren und die entsprechend mißbraucht,
d. h. ohne das Einverständnis der die Information Abgebenden verwendet
werden kann" . Zusätzlich ist dabei an die rasante technische Entwicklung
im Bereich der Computertechnologie zu denken. Es wird nun möglich,
fast unbegrenzte Datenmengen nicht nur zu erfassen, sondern eben
auch zu speichern sowie unter bestimmten Gesichtspunkten zusammenzuführen
und weiterzuverarbeiten.
"Moderne Telekommunikationstechnik bringt es mit sich, dass deren
Benutzerinnen und Benutzer immer mehr elektronische Spuren hinterlassen
ohne zu wissen, welche Daten an welchem Ort, für welche Dauer und
für welchen Zweck gespeichert werden" .
4. Informationsbedarf
der Unternehmen
Information gewinnt auch für wirtschaftliche Akteure als Produktionsfaktor
und strategischem Wettbewerbsfaktor im Umfeld differenzierter und
individualisierter Informationsgesellschaften eine neue Bedeutung.
Marktgerechte Produktion und effektives Marketing setzen "ausreichende
und valide Information über die anvisierten Nutzergruppen oder sogar
Individuen" voraus. Unternehmen suchen daher nach Informationen
über Informations- und Kommunikationsverhalten potentieller Käufer.
Daraus versprechen sie sich, Rückschlüsse über das Kauf- und Kosumverhalten
ziehen zu können.
Aufgrund der Statuslosigkeit des WWW - es existiert keine grundsätzliche
Verbindungsidentifikation - behelfen sich kommerzielle Websites
mit technischen Mechanismen, um die Identität eines Surfer und potentiellen
Kunden festzuhalten. Cookies sind die meist benutzte Methode. Unter
Cookie versteht man einen "Datensatz, der von einem Web-Server erzeugt,
an einen Web-Browser, der eine Verbindung mit dem Server aufgebaut
hat, gesendet und bei diesem in einer Cookie-Datei abgelegt wird".
Umgekehrt kann nach der Anfrage einer Website der Datensatz vom
Browser an einen HTTP-Server gesendet und die Cookie-Daten von diesem
ausgewertet werden. Gesendet werden Informationen zum Betriebssystem,
zur IP-Adresse des Client-Rechners und zum Navigationsverhalten,
dem sogenannten "Clickstream" . Ursprünglich wurden Web-Cookies
von Netscape mit deren Browserversion 1.1 zur einfachen Programmierung
von virtuellen Einkaufskörben für das Internet-Shopping eingeführt.
Umstritten sind Cookies aus mehreren Gründen. Neben dem Umstand,
dass quasi Verwaltungsdaten vom Server kostengünstig auf den lokalen
Rechnern ausgelagert werden, ist besonders beunruhigend, dass Generieren
oder Abfragen von Cookie-Informationen ohne Wissen des Einzelnen
vorgenommen werden kann. Es sei denn, die Client-Software ist demensprechend
konfiguriert. Auf der Festplatte des Benutzers werden also temporär
oder zeitlich nicht befristet Informationen gespeichert, die ausnahmslos
persönliche Daten des Browser-Nutzers sind und das individuelle
Kommunikationsverhalten widerspiegeln. Folglich läßt sich Benutzerverhalten
detailliert protokollieren. Durch die dem Benutzer nicht bewußte
Weitergabe von Cookies an dritte Server, können darüberhinaus weitreichende
Kommunikationsspuren erfaßt und daraus Benutzerprofile über Verhalten
und Konsumgewohnheiten erzeugt werden.
Kann man Cookies noch durch Einstellungen des Browsers unterdrücken
(auch wenn man dann oft nicht alle Features eines Dienstleisters
in Anspruch nehmen kann), so verfahren deren Nachfolger wesentlich
subtiler. "Web Bugs" oder "clear GIFs" sind nämlich praktisch unsichtbar.
Die Cookie-Nachfolger sind winzige GIFs mit meist nur 1x1 Pixel
Größe, die sich außerdem noch in Grafiken und Bildern verstecken
lassen und lediglich im Quelltext einer Website zu erkennen sind.
Bei der Funktionalität übertreffen die kleinen Web Bugs ihre Vorgänger
bei weitem. Neben den Informationen, die auch ein Cookie weiter
gibt, klärt der Web Bug auch auf, wann er angeschaut wurde. Verwendet
man diese also in Werbe-Mails, lässt sich beispielsweise auch festellen,
ob und wann eine Nachricht gelesen wurde. Zudem kann man durch sie
eine bestimmte Mailadressen mit dem Cookie des Browsers verknüpfen;
wodurch ein Web-Nutzer dann bekannt ist, wenn er später auf eine
Internet-Seite navigiert. Außerdem sind Benutzer, die mit Outlook
Express oder dem Netscape Messenger Nachrichten in einer Newsgroup
lesen mittels Web Bug identifizierbar.
Eine weitere Gefahrenquelle stlellen die sogenannten executable
content, also ausführbare oder aktive Inhalte. Mittels ActiveX,
JavaScript, Java u.a. kann - unbemerkt - während der online-Zeit
ferngesteuert auf fremde Rechner zugegriffen und Manipulation duchgeführt
werden .
5. Staatliche Überwachung
Weiterhin stellen die wachsenden staatlichen Begehrlichkeiten,
die konventionelle Telefonüberwachung auf die neuen Medien auszuweiten,
Gefährdungen der Privatsphäre dar.
Der Staat als Inhaber eines legitimen Gewaltmonopols sieht durch
den Wandel der Kommunikationsmedien sein Sicherheitsinteresse bedroht.
Wie schon in der Telekommunikations-erwachungserordnung (TKÜV) sind
durch die Enfopol-Pläne auf europäischer Ebene Zugriff auf Inhalte
und auf sämtliche Verkehrsdaten elektronischer Kommunikationsvorgänge
beabsichtigt. Gerade die Verbindungsdaten fallen bei digitalen Rechnernetzen
mit unter das Telekommunikationsgeheimnis.
Brisanterweise sehen die Überwachungspläne der Europäischen Union
den Zugriff sogar in Klarform vor, was eine parallele Regulierung
kryptographischer Verfahren impliziert. Gerade diese Verschlüsselungsinstrumente
werden gemeinhin als adäquate Lösung entstehender Privacy-Probleme
in der sich ausbildenden Informationsgesellschaft und die Beschränkung
effektiver Verfahren als Verletzung fundamentaler Bürgerrechte angesehen.
Die endgültige Entscheidung über Enfopol wurde zunächst vertagt.
Nach Ansicht der G8-Arbeitsgruppe zur "High-Tech-Kriminalität"
kann auf permanente Überwachungsschnittstellen bei Internet Service
Providern sowie auf eine generelle Speicherpflicht von Kommunikationsdaten
verzichtet werden. Stattdessen favorisiert die Koordinierungsstelle
für Computerkriminalität der führenden westlichen Industrienationen
und Rußland die Option des "fast freeze quick thaw". Um Datenschutzprobleme
zu umgehen und um unangemessene Kostenbelastungen zu vermeiden,
sollen Service Provider auf Bitte der Strafverfolger die Kommunikationsdaten
eines Verdächtigen bei Bedarf sofort einfrieren und speichern. Diese
Daten können dann mit einer richterlichen Genehmigung beschlagnahmt
und ausgewertet werden - und zwar unter der jeweiligen nationalen
Rechtshoheit.
Auch die weitreichenden staatlichen Pläne zur Überwachung der Telekom-munikation
in der BRD wurden durch das am 14. Juli 1999 verlesene Urteil des
BVerfG zu den Abhörbefugnissen des BND gebremst. Die Karlsruher
Richter bestätigen zwar grundsätzlich die Überwachungskompetenz
des deutschen Nachrichtendienstes, fordern jedoch Einschränkungen
des vor fünf Jahren verschärften Verbrechensbekämpfungsgesetzes.
Insbesondere der Umgang mit Daten solle künftig einer wirksamen
Kontrolle unterworfen werden und die Datenübermittlung an Strafverfolgungsbehörden
nur noch nach restriktiv auszulegenden Kriterien erfolgen.
Bettina Sokol, LfD Nordrhein-Westfalen, misst diesem Urteil auch
Signalwirkung bei für die allgemeine Abhörpraxis und die geplante
Überwachung des Internet: "Die Stärkung, die dieses Grundrecht durch
das heutige Urteil erfährt, muss sich auch dämpfend auf (...) die
Pläne zum Erlass einer Telekommunikations-Überwachungsverordnung
auswirken".
6. Spamming
Während in der öffentlichen Diskussion über dysfunktionale Auswirkungen
des globalen Zusammenschlusses vernetzter Computer hauptsächlich
Gefahren wie Kinderpornographie, Propaganda und Organisation radikaler
politischer Bewegungen sowie exzessive Gewaltdarstellungen angeprangert
werden, entwickelt sich erst ganz spärlich ein Bewusstsein für eine
andere Art des Missbrauchs, die jedem droht, der über eine eigene
Email-Adresse verfügt.
Sie kosten nicht nur Geld, Zeit und Nerven, sondern stellen auch
einen tiefgreifenden Eingriff in die informationelle Autonomie des
Individuums dar. Gemeint sind unverlangte (meist daher auch unerwünschte),
massenhaft versendete Werbe-Mails, die im Jargon der Netzgemeinde
Spamming, Junk-Mail oder Unsolicited Electronic Mail (UCE) genannt
werden.
Der Begriff "Spam", eigentlich eine Kurzform für "Spiced Pork and
Ham", steht für die englische Variante von Dosenfrühstücksfleisch.
Nach vor-herrschender Theorie verdankt er seine Karriere als Synomym
für Massen-versand jeglicher Art einem Montey-Python-Sketch, in
dem "eine Horde von Wikingern einen aus dem einzigen Wort ‚spam'
bestehenden Song grölt, immer lauter und lauter, bis die übrigen
ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. Genau dies droht im Internet:
Die Spammer sind dabei, das schnelle, elegante Kommunikationsinstrument
E-Mail mit ihrem Gedröhne zu knebeln".
Im Usenet regelt der sogenannte Breitbarth-Index (BI) den Unterschied
zwischen mehrfach abgesetzten Beiträgen und Junk-Mail. Mit einer
speziellen Formel werden alle Exemplare eines Postings kumuliert
und aus der Summe die Quadratwurzel gezogen . Der BI-Schwellenwert,
ab dem ein Beitrag als Spam gilt, hängt dann von der Reichweite
der Diskussions-gruppe ab, in der publiziert wird.
Im globalen Computernetz erhält Spam als "Send Phenomenal Amounts
of Mail" eine neue Bedeutung. Email-Spiders, die ähnlich wie die
Robots der Suchmaschinen funktionieren, durchforsten das WWW oder
die Diskussionsforen des Usenet, um gigantische Adressenlisten zu
erzeugen. Mit diesen können dann ohne große technische Anforderungen
und nur mit dem Bruchteil der Kosten herkömmlicher Verfahren neue
Dimensionen des Direktmarketings erschlossen werden.
Laut einem von Eco und der Hase, Rosendahl & Partner Unternehmensberatung
erarbeiteten Positionspapier , das technische und wirtschaftliche
Zusammenhänge von Spamming aufzeigt und am 19. März 1999 als offizielle
Eingabe an das Europäische Parlament gerichtet wurde, liegen die
Kosten zu konventionellen Marketing-Methoden mindestens um den Faktor
1000 niedriger. Demnach sei Spamming auch nicht mit anderen Formen
der Direktwerbung vergleichbar: Die Gesamtkosten für die Distribution
von 30 Mio. Werbe-Mails beläuft sich nur auf ca. 10.000 DM, womit
ein die Anzahl von Werbesendungen begrenzendes ökonomisches Regulativ
faktisch entfalle. Aus diesem Grund hat sich ein reger Handel mit
elektronischen Adressen entwickelt, denn neben dem finanziellen
Argument besitzt diese Werbungsform noch andere Reize. Da die Anschriften
in Internet oder einschlägigen News-Gruppen gesammelt werden, verbergen
die Inhaber auch nicht ihre Affinität zu bestimmten Themen und erleichtern
so die kostengünstige Entwicklung und Organisation spezifischer
Zielgruppen (Golffahrer, Vegetarier, etc.).
Nach einer aktuellen Umfrage im Februar 1999 sprechen sich mehr
als 80% der deutschen Internetnutzer gegen eine Erlaubnis von Email-Werbung
aus, denn der Endverbraucher trägt durch Online-Gebühren einen Teil
der Werbekosten und verliert durch tägliches Aussortieren Zeit.
Neben diesem fremdbestimmten Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung
der Bürger verstößt Junk-Mail auch gegen den Grundsatz der Netiquette,
keine Bandbreite zu verschwenden. Schließlich bedrohen Massen-Emails
die Funktionsfähigkeit der Kommunikationsinfrastruktur
7. Ergebnis
Diese Implikationen einer sich realisierenden Informationsgesellschaft
unterminieren die Privatsphäre der Menschen und das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung.
Dabei beschränken sich die möglichen Ausprägungen von Privacy-Verletzungen
nicht nur auf eine sich verringernde Vertraulichkeit in der Kommunikation
und den Verlust von Anonymität in den neuen Medien, insbesondere
durch das Anfallen von Interaktionsspuren. Bedenklich ist vor allem
eine fehlende Gewißheit, wann an wen private Daten weitergegeben
werden.
Der Einzelne verliert die Kontrolle über die Verwendung, Verarbeitung
und Weitergabe seiner persönlichen Informationen und über die Regulierung,
welche Informationen ihn erreichen können und dürfen.
Neben der Unsicherheit, wer Zugriff auf Inhalte und Verkehrsdaten
individueller Kommunikationsvorgänge und wirtschaftlicher Transaktionen
besitzt, besteht die Gefahr des Mißbrauchs. Datenbestände können
manipuliert, verändert und zerstört werden. Die Integrität von Daten
hängt allerdings oft mit wichtigen Verfahren der Authentizität zusammen
und damit inhärent nicht nur mit persönlichen, sondern insbesondere
großen wirtschaftlichen Folgen. Das Zusammenführen großer Datenbestände
mit dem Ziel, Profile über Kauf- und Konsumgewohnheiten zu erstellen
(Data Warehouse und Data Mining) ist zwar aus wirtschaftlichem Aspekt
nachvollziehbar, aber dennoch ein Eingriff in den informationellen
Intimbereich.
Profile über Informationsverhalten, Gewohnheiten und Vorlieben
können kompromittierende Daten beinhalten und deren Veröffentlichung
die Ehre und Würde des Menschen bedrohen. Schließlich erlaubt die
Auswertung verschiedener persönlicher Informationen auch Rückschlüsse
über religiöse und politische Einstellungen, die zusammen mit fortgeschrittenen
Überwachungsmöglichkeiten empfindliche und nicht mehr zu tolerierende
Gefahrenpotentiale für essentielle Freiheitsrechte des Menschen
in sich bergen.
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