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Joachim Griesbaum
Gegenwärtig reagieren die politische Öffentlichkeit, insbesondere
die Medienberichterstattung, sehr sensibel auf Gewalttaten aus dem
rechtsradikalen Umfeld.
Beispielsweise wird von Vertretern verschiedener Parteien der
Einsatz des Bundesgrenzschutzes zur Bekämpfung rechtsradikaler
Kriminalität ebenso gefordert wie ein Verbot der NPD oder gar
die Entlassung rechtsradikal Gesinnter aus dem öffentlichen
Dienst. Die Politik scheint fest entschlossen mit aller Härte
gegen Rechtsextremisten vorzugehen.
Der eher symbolische Bedeutungsgehalt solch staatlich repressiver
Maßnahmen, die bestenfalls die Ausprägungen und Folgeerscheinungen
nicht aber die Ursachen des Rechtsradikalismus zu bekämpfen
vermögen, wird an der Diskussion über rechtsradikale Seiten
im Internet offensichtlich.
Denn im Internet scheinen repressive Maßnahmen gegen rechtsradikale
Aktivitäten von vorneherein nur schwer durchsetzbar bzw. gar
zum Scheitern verurteilt zu sein. Der Spiegel schreibt von Behörden
ohne Handlungsmöglichkeit.
Ein Verbot rechtsradikaler Seiten deren Zahl vom Verfassungsschutz
inzwischen auf ca. 330 Websites geschätzt wird, von denen wiederum
etwa 80 Straftatbestände erfüllten ist zwar möglich,
die praktische Umsetzung bliebe aber durch die jederzeit mögliche
Verlagerung der betroffenen Seiten auf ausländische Server
in Bezug auf die Präsenz rechtsradikaler Seiten im Netz ohne
Konsequenz.
Wohl auch als Reaktion auf diese Hilflosigkeit will
das Bundeskriminalamt der Bertelsmann Stiftung eine Negativliste
von Web-Sites mit rechtsextremen Inhalten zur Verfügung stellen.
Diese soll in das von der Bertelsmann Stiftung entwickelte Internet
Content Rating Association (ICRA) Filtersystem integriert
werden und somit das gezielte Ausblenden rechtsextremistischer Internetinhalte
ermöglichen.
Marcel Machill, Projektleiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung
sagt:
"Eltern können so das Risiko, daß ihre Kinder
auf schädliche Seiten
stoßen, minimieren. Gleichzeitig verhindern wir staatliche
Zensur im
Internet, denn es bleibt den Eltern überlassen, ob sie das
Filtersystem aktivieren".
Ob aber dieses Filterprogramm die Problemstellung für die
es geschaffen wurde die Blockierung unerwünschter Inhalte
- wirklich löst bleibt fraglich, denn für die gängigen
Filterprogramme gilt, dass Jugendliche die Filtermechanismen recht
einfach aushebeln bzw. umgehen können.
Ungeklärt bleibt all diesem Aktionismus ohnehin die grundlegende
Frage, ob das Unterdrücken bzw. Filtern rechtsradikalen Gedankengutes
im Internet denn überhaupt eine sinnvolle Strategie darstellt
um den Rechtsextremismus zu bekämpfen?
Wahrscheinlich nicht, denn zum einen ist die Wirksamkeit derartiger
Maßnahmen stark in Zweifel zu ziehen und zum anderen bleibt
zu fragen, was würde denn geschehen, falls solche Verbote und
Filter tatsächlich wirken sollten?
Würden etwa Rechtsradikale bekehrt werden oder würde
Braunes Gedankengut aufhören zu existieren?
Wohl eher nicht.
Aus diesem Grund scheint ein offensives Auftreten gegen Rechtsextremismus
mittels aufklärender Argumentation, ein probateres Mittel zu
sein, rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft vorzubeugen
und politischen Extremismus bekämpfen?
Denn gerade wenn es stimmen sollte, dass insbesondere junge Menschen,
die über traditionelle Medien nicht oder nur bedingt erreichbar
wären, über das Internet an rechtsextremistisches Gedankengut
herangeführt werden können und dies wiederum zu einer
zunehmenden rechtsextremistischen Identifizierung junger Surfer
führt,
scheint die offensive argumentative Auseinandersetzung mit Rechtem
Gedankengut eine angemessenere Strategie zur Bekämpfung des
Rechtsextremismus zu sein als eine durch Verbote und Filter herbeigeführte,
weitgehend unwirksame, Unterdrückung rechtsextremer Internetinhalte.
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