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Rainer Kuhlen
August 2001
Weder eine Verschärfung der Urheberrechtsgesetze
noch eine Verschärfung des Digital Rights Management sind eine
Lösung des Fair use bei der Nutzung digitaler Produkte wie
e-books
Das US-amerikanische Digital Millenium Copyright Act von 1998,
durch das nicht nur direkte Copyright-Verletzungen geahndet werden
können, sondern auch das Schreiben und Publizieren von Software,
mit der Copyright-Maßnahmen softwaremäßig unterlaufen
werden können, kommt zur Anwendung. Mitte Juli 2001 wurde der
Russe Dmitry Sklyarov verhaftet und ins Gefängnis gesteckt,
weil er auf einer Konferenz (der DefCon Hacker-Konferenz am 16..7.01
in Las Vegas) über offensichtliche Mängel der bei manchen
e-books zum Einsatz kommenden Kryptographie informiert und weiterhin
über Software der Moskauer Firma ElcomSoft, bei der Sklyarov
arbeitet, berichtet hatte, mit der in Teile der Adobe-Verschlüsselungssoftware
für e-books eingegriffen werden kann, und zwar werden dadurch
Restriktionen beseitigt, die exklusive Rechte an der Nutzung von
e-books nur dem einräumen, der das e-book erworben hat.
Mit der Software
von ElcomSoft, die in Russland legal vertrieben wird, ist es z.B.
möglich, für den eigenen Gebrauch von Adobe-e-books eine
Backup-Kopie zu machen, aber auch das e-book auf einem anderen Computer
im eigenen Haus zu übertragen oder eine Kopie für einen
Freund zu erstellen alles einfache Dinge, die bislang beim
Kauf eines gedruckten Buches unkritisch waren, durch fortgeschrittenes
Digital Rights Management aber kontrolliert und verhindert werden
können. Auch nützliche Anwendungen, dass Blinde sich mit
ihrer Software e-books elektronisch vorlesen lassen können,
werden durch e-book-Restriktionen bislang verhindert. Solche Anwendungen
sind nur möglich, wenn die e-books in eine andere Software-Umgebungen
geladen werden, als sie von den Herstellern vorgesehen ist. Genau
das leistet u.a. die ElcomSoft-Software.
Offensichtlich
verschärfen sich die Spannungen zwischen denjenigen who
need and use information and those who want to control it
(LAT 6.8.2001,A11). Die Verhaftungen von Dmitry Sklyarov, der im
übrigen nur wegen der Konferenz in die USA gekommen war und
sonst keine Bindungen dort hat, geht auf eine Anzeige von Adobe
zurück, die im nachhinein sich allerdings von der Verhaftung
Sklyarovs distanzierte. Das FBI reagierte auf die Anzeige, weil
das Publikmachen der Arbeiten der Moskauer Firma auf der Konferenz
in den USA gegen das DMCA verstößt, so sah es jedenfalls
zunächst Adobe, und so sieht es die zuständige Staatsanwaltschaft.
Amerikanische
Electronic Rights Groups wie Electronic Frontier
Foundation protestieren entsprechend heftig gegen die Anwendung
des DMCA und sehen darin eine Bedrohung des bisherigen Fair
use bei der Benutzung von gedruckter Information. Durch das
Gesetz werden in den USA Produkte wie e-books geschützt, die
allerdings bislang nur einen minimalen Verkaufserfolg erzielen konnten.
Der Grund dafür wird zum einen darin gesehen, dass e-books
nicht auf reale Bedürfnisse von Lesern abgestimmt sind, die
also bislang mit den gedruckten Produkten zufrieden sind. Die Zurückhaltung
wird aber auch darin gesehen, dass das technische Handling mit den
e-books noch als zu kompliziert und unzuverlässig angesehen
wird und vor allem die Nutzungsbedingungen, die über die Software
der e-books geregelt werden, als zu restriktiv empfunden werden.
Eine klassische Verlierer-Situation.
Verlage versuchen,
ihre Umsätze zu kontrollieren und zu steigern, indem sie die
Nutzung restringieren und eng an die Vertragsbedingungen binden,
und genau diese mangelnde Freizügigkeit verhindert (neben anderen
Faktoren) die Entwicklung eines offenen und größeren
Marktes. Das Mindeste, was von e-books verlangt werden kann, ist,
dass man sie in seine eigene Umgebung zur freien weiteren persönlichen
Nutzung herunterladen kann. Verlage sehen aber darin genau den Weg
offen zu einer Napsterization der e-books. Wenn e-books
nicht mehr an die Restriktionen der Verlage gebunden werden können,
könnten sie auch freizügig in entsprechende Verteil-Server
eingebunden und damit in der Nutzung kaum mehr kontrolliert werden.
Es sind offensichtlich ganz neue Wege zur Lösung der Copyright-/Urheberrechtsfrage
im digitalen Medium nötig, die dem Rechung tragen können,
dass einerseits mit Informationsprodukten Geld verdient werden kann,
andererseits die freie Nutzung von Information unter fairen Bedingungen
weiterhin gestatten. Weder die Verschärfung der bisherigen
Schutzrechte noch eine Verschärfung der Digital Rights Management
Technologie sind dauerhaft eine Lösung. Und erst recht ist
es keine Lösung, wenn bestimmte nationale Gesetzgebungen, wie
das DMCA in den USA, den globalen Informationsmärkten übergestülpt
werden. Wie den elektronischen Räumen angemessene Lösungen
allerdings aussehen werden, ist weiterhin offen.
Links:
http://www.zdnet.com/zdnn/stories/comment/0,5859,2800985,00.html
http://writ.news.findlaw.com/commentary/20010802_hodes.html
http://www.eff.org/alerts/20010803_eff_sklyarov_alert.html
http://www.eff.org/IP/DMCA/US_v_Sklyarov/ (mit vielen weiteren
Links, zusammengestellt von der Electronic Frontier Foundation)
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