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Theorien der Informationsethik

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  1. Einleitung
  2. Informationsethischer Kontext
  3. Kernfragen
  4. Derzeitige Entwicklungen
  5. Experten des Themengebietes
  6. Spezifische Quellen

1. Einleitung

Ethik und Moral Ethik ist die Reflexion über moralisches Verhalten bzw. die Reflexion über real existierende, d.h. von bestimmten Gruppen oder von der Allgemeinheit als richtig angesehene Wertvorstellungen und Verhaltensformen. Was moralisch richtig ist, meint ein jeder bestimmen zu können. Warum das als moralisch richtig empfunden wird, darüber legen sich nicht so viele Menschen Rechenschaft ab, und noch viel wenigere können dies aus allgemeinen ethischen Prinzipien ableiten. Moral hat ein jeder, und jeder ist sich ihrer auch in der Regel sicher Ethik bedarf einer speziellen Schulung und Erfahrung. Ethik bezieht sich also auf Moral. Moral entsteht und gilt in bestimmten Umgebungen. Wir haben mit der Informationsethik spezielle Umgebungen im Blick, die zudem durch neuere technologische und mediale Entwicklungen geprägt sind, die wir mit Telemediatisierung ansprechen wollen2. Informationsethik ist also diese Bestimmung werden wir natürlich noch genauer diskutieren die Reflexion bzw. der Diskurs über Moralvorstellungen und Wertesysteme, die sich beim Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Räumen entwickeln. Ob sich dadurch auch Ethik, ethische Prinzipien selber verändern? Ist Informationsethik also eine andere Ethik? Oder gelten die ethischen Prinzipien und Regeln eines Aristoteles, Kant oder Rawls auch in elektronischen Räumen?
Informationsethik Vor einigen Jahren hat es eine berühmt gewordene Diskussion in den USA darüber gegeben, ob es so etwas wie Cyber ethics oder Cyber law, z.B. als Gegenstand der Ausbildung, überhaupt geben kann oder soll3. Angestoßen wurde das durch einen Vortrag und dann Artikel von Easterbrook4, der eben diese Berechtigung abstritt mit dem Hinweis, dass es ja auch kein besonderes Pferderecht gebe. Recht - und wir beziehen dies analog auch auf Ethik - habe sich nicht an speziellen Gegenständen auszurichten, sondern solle immer das Allgemeine im Blick haben. Daher müssten keine spezielle Kurse oder Lehrbücher über Law of the Horse angeboten werden. Wer sein Strafrecht, Zivilrecht oder auch Handelsrecht studiert hat, kann die speziellen Probleme, die bei Pferden auftreten können, auch darunter subsumieren. Das macht vermutlich nicht Ausführungen in speziellen Paragraphen z.B. des Handelsrecht überflüssig, vielleicht um das Schauen ins Maul eines Gauls rechtsverbindlicher zu machen, aber begründe doch keinesfalls ein komplettes Law of the Horse. Warum also ein Law of the Internet? Und analog: Warum eine spezielle Informationsethik? Es spricht einiges dafür, dass Informationsethik genauso öffentliche Aufmerksamkeit beanspruchen und erhalten wird wie derzeit Bioethik. Diese These leitet sich aus der Gewissheit ab, dass die elektronischen Räume des Internet alle Bereiche der Gesellschaft prägen werden und zwar in einem Ausmaß, wie es bisherige technologische und mediale Sprünge kaum getan haben, am ehesten wohl vergleichbar mit der durch Gutenberg eingeleiteten Umwälzung eben nicht nur der Publikationsstrukturen für Wissen, sondern aller gesellschaftlichen Bereiche. Natürlich, das räumen auch die Medientheoretiker im Gefolge von McLuhan ein, die fast schon einen medialen Determinismus unterstellen, hat die Druckpresse nicht die bürgerliche Gesellschaft mit seiner kapitalistischen Wirtschaftsorganisation oder den Protestantismus hervorgebracht. Wir stimmen aber (Deibert 1997) bei seinen Überlegungen zur Weiterentwicklung der allgemeinen Medientheorie durchaus zu, wenn er die Stadien der Technologieentwicklung, insbesondere der Entwicklung der Informations-, Kommunikations- und Distributionstechnologien, als Umgebungen (environments) bezeichnet, die direkte Auswirkungen auf das politische, kulturelle, wirtschaftliche oder soziale Leben haben. Die Gutenbergsche Druckkunst, um bei dem klassischen Beispiel zu bleiben, war eben nicht nur ein Mittel, um vorhandene oder neu zu entwickelnde gedankliche Inhalte besser transportieren zu können, sondern hat bestimmte Eigenschaften in der Umwelt so begünstigt, dass weitgehende Veränderungen eintreten konnten. Diese Situation ist in der Gegenwart mit der fortschreitenden Telemediatisierung in vermutlich größerem Ausmaß gegeben. Wir wollen hier nicht darüber spekulieren, welche neuen Wirtschaftsformen sich durch die globale Vernetzung mit den dadurch möglich werdenden virtuellen Organisationsformen entwickeln, welche Formen direkter Demokratie und medialer Öffentlichkeit entstehen werden das und vieles mehr gehört zu einer viel weiteren und anspruchsvolleren politischen Ökonomie der telemediatisierten Moderne (um den Begriff der Postmoderne zu vermeiden). Uns geht es hier um einen Teil-, wenn auch sicherlich Zentralbereich der telemediatisierten Lebenswelten, nämlich um die Veränderungen in unserem Umgang mit Wissen und Information. Wir können daher Informationsethik bestimmen als Ethik unter den Bedingungen der fortschreitenden Telemediatisierung der intellektuellen Lebenswelten. Wenn die Telemediatisierung der intellektuellen Lebenswelten unproblematisch und konfliktfrei wäre, wenn das normative Verhalten in den telemediatisierten Lebenswelten für alle Beteiligten weitgehend übereinstimmend wäre, müsste es keine Informationsethik geben. Ein Bedarf nach Ethik entsteht dann, wenn normatives Verhalten durchaus nicht eindeutig ist, wenn also Konflikte dadurch entstehen, wenn unterschiedliche Parteien sich auf unterschiedliche normative Verhaltensformen abstützen und dies jeweils auch durch grundlegende ethische Prinzipien zu legitimieren versuchen. Solche grundlegenden Konflikte sind in der Geschichte des Umgang mit Wissen und Information nicht zu verzeichnen gewesen. Daher ist Informationsethik ein Ereignis erst gegenwärtiger Informations und Wissensgesellschaften.
Das informationsethische Instrument der Diskurs Wir sehen das Ziel der Informationsethik nicht in einer Anleitung zum guten und richtigen Handeln in der Informationsgesellschaft über das Postulat entsprechender Werte. Diesen Anspruch einer normativen, also Werte setzenden Ethik können wir nicht aufrechterhalten, auch wenn wir die Argumente, die aus diesen Traditionen stammen, selbstverständlich aufgreifen werden. Informationsethik soll hier verstanden werden als praktizierte Aufklärung. Das Instrument für Aufklärung ist der informationsethische Diskurs, den in seinen Möglichkeiten und Grenzen zu entfalten, Gegenstand dieser Darstellung ist. Der Bedarf nach informationsethischen Diskursen entsteht, wenn, wie skizziert, bei wichtigen Fragen des Umgangs mit Wissen und Information divergierende Interessen aufeinander prallen und unterschiedliche Ziele miteinander konfligieren und wenn die Interessen und Ziele durch jeweils für sich durchaus plausibel anmutendes normatives Verhalten gerechtfertigt zu sein scheinen. Der ethische Diskurs produziert, wie gesagt, keine normativen Handlungsanweisungen oder neue Wertesysteme bzw. neue Moralvorstellungen, sondern reflektiert die von den verschiedenen Interessenvertretern als moralisch begründet (und in der Regel auch gesetzeskonform) empfundenen Normen und Gepflogenheiten. Der Diskurs versucht, diese daraufhin abzuklopfen, inwieweit sie, sicherlich unter Berücksichtigung, aber nicht bedingungsloser Anerkennung der zugrundeliegenden Interessen, mit einer ethischen Verallgemeinerung kompatibel sind. Der Diskurs selber kann sich zwar interessenfrei verstehen, wird aber die existierenden und möglichen rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick haben müssen. Ethik ohne Recht ist wie ein Fundament ohne Haus sicher, aber nicht verwendbar. Nicht zuletzt soll der informationsethische Diskurs überprüfen helfen, ob gegenwärtige rechtliche Positionen oder Rechtsentwürfe sich nicht nur an alten medialen Kontexten orientieren (hier der analogen Publikationswelt), sondern auch im Einklang mit den neuen medialen, die Zukunft von Wissen und Information bestimmenden Potenzialen der digitalen Räume stehen. Wir stellen hier nur das Prinzip und die generelle Abfolge des informationsethischen Diskurses dar und werden das im Seminar am 28.7. in Kloster Neustift an dem derzeit höchst kontrovers diskutierten Beispiel des Right to communicate gemeinsam ausführen.

  • Identifikation der an der speziellen informationsethischen Fragestellung beteiligten Akteure oder Gruppierungen
  • Offenlegen der unterschiedlichen Interessen und Ziele; da diese Interessen und Ziele durchaus nicht immer eindeutig sind, auch nicht innerhalb einer ansonsten homogenen Gruppe, kann es sinnvoll sein, dabei Interessen- und Zielhierarchien oder Vernetzungen anzuzeigen
  • Offenlegen des den Interessen und Zielen zugrundeliegenden normativen Verhaltens, wobei versucht werden muss, zwischen offiziellen und verdeckten Normen und Verhaltensformen zu unterscheiden
  • Aufweis, an welchen Stellen Konflikte oder Widersprüche zwischen den verschiedenen Interessen und Zielen und den verschiedenen normativen Verhaltensformen auftreten
  • Überprüfen der normativen Verhaltensformen auf ihre ethischen Begründungsmöglichkeiten, inwieweit sie also aus allgemeinen ethischen Prinzipien abgeleitetet werden können. Da es durchaus unterschiedlich fundierte ethische Begründungen geben kann, entsprechend der Vielfalt der ethischen Theorieabsätze, kann es dabei auch durchaus zu Widersprüchen kommen.

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2. Informationsethischer Kontext

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3. Kernfragen

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4. Derzeitige Entwicklungen

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5. Experten des Themengebietes

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6. Spezifische Quellen

Literaturliste

  • Baird, Robert M.; Ramsoweer, Reagan; Rosenbaum, Stuart E. (eds): Cyberethics. Social & moral issues in the computer age. Amherst, NY 2000Cyberethics. Social & Moral Issues in the Computer Age. Prometheus: Amherst, NY 2000
  • Dejoie, Roy; Fowler, George; Paradice, David: Ethical Issues in Information Systems. Boyd & Fraser, 1991
  • Ermann, M. David (ed.): Computers, ethics, and society. New York: Oxford Univ. Press, third ed. 2003 (1. Auflage 1997)
  • Floridi, Luciano: Information Ethics - On the philosophical foundation of computer ethics. ETHICOMP98 The Fourth International Conference on Ethical Issues of Information Technology, Erasmus University Rotterdam, The Netherlands, 25 to 27 March 1998 (http://www.wolfson.ox.ac.uk/~floridi/ie.htm)
  • Froehlich, Thomas J. : Survey and analysis of the major ethical and legal issues facing library and information services. IFLA Publication 78, München 1997
  • Graybosch, Anthony; Rudinow, Joel (Hg.): Ethics and values in the information age. Thomson Learning/Wadsworth, 2002
  • Greis, Andreas: Identität, Authentizität und Verantwortung. Die ethischen Herausforderungen der Kommunikation im Internet. Kopäd: München 2001
  • Hamelink, Cees J.: The Ethics of Cyberspace. Sage Publications: London 2000
  • Hausmanninger, Th.; R. Capurro, R. (Hrsg): Netzethik. Grundlegungsfragen der Internetethik. Fink (2002)
  • Himanen, Pekka: Die Hacker-Ethik und der Geist des Informations-Zeitalters. Riemann, 2001
  • Kizza, Joseph: Ethical and Social Issues in the Information Age. Springer, 2002
  • Kolb,A.; Esterbauer,R.; Ruckenbauer,H. -W. (eds.): Cyberethik. Verantwortung in der digital vernetzten Welt.
  • Kohlhammer: Stuttgart 1998.
  • Kuhlen, Rainer: Die Konsequenzen von Informationsassistenten. Was bedeutet informationelle Autonomie oder wie kann Vertrauen in elektronische Dienste in offenen Informationsmärkten gesichert werden? Suhrkamp: Frankfurt a. Main 1999
  • Lessig, Lawrence: Code and other laws of cyberspace. Basic Books (Perseus Books Group): New York 1999.
  • Lessig, Lawrence: The future of ideas. Random House: New York 2001
  • Pourciau, Lester J. (ed.): Ethics and electronic information in the twenty-first century. Purdue University Press: West Lafayette, IN 1999.
  • Rudinow, Joel; Graybosch, Anthony: Ethics and values in the Information age. Thomson Learning: Belmont, CA 2002
  • Sandbothe, Mike: Pragmatische Medienphilosophie. Velbrück: Weilerswist 2001
  • Spinello, Richard: Cyber ethics. Morality and law in cyberspace. Jones and Bartlett Publishers: Boston 2000
  • Spinello, Richard A.: Case studies in information technology ethics and policy. Prentice Hall, 2003
  • Spinner, Helmuth F.; Nagenborg, Michael; Weber, Karsten: Bausteine zu einer neuen Informationsethik. Philo: Berlin, Wien 2001
  • Rainer Kuhlen Seite 8 Informationsethische Grundlagen
  • Smith, Martha M.: Information ethics. In: Martha E. Williams (ed.), Annual Review of Information Science and Technology (ARIST) 1997, Vol. 32, 339-366
  • Smith, Martha M.: Information ethics. Interdisciplinary perspectives - multidisciplinary issues. Bowker Saur: New York 1997
  • Vedder, Anton (ed.): Ethics and the Internet. Intersentia: Schoten 2001
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Last Update: April 2004